Christoph Gutjahr, Maria Mandl
Bezirk: Leibnitz; Gemeinde: Hengsberg; KG: Schönberg; Gst. Nr.: 306/3; Flur: Lippmichl,
Maßnahmennummer: 66425.24.01; Maßnahmenbezeichnung: Prähistorische Siedlung beim Lippmichl;
Durchführungszeitraum: 05.11.2024-11.11.2024; Status: Baufläche
siehe auch unter:
- Fundorte
Zeitstellung: prähistorisch; Bronzezeit / Mittelbronzezeit / Urnenfelderzeit, Kaiserzeit / Mittlere Kaiserzeit
Befund: Siedlung
Forschungsgeschichte: 2024-Oberbodenabtrag durch den Kulturpark Hengist (Christoph Gutjahr)
https://www.hengist-archaeologie.at/archaeologie/ausgrabungen/507-hengsberg-schoenberglippmichl#sigProId0aab726eec
Zusammenfassung
Im Zuge des Oberbodenabtrages im Bereich der prähistorischen Siedlung „beim Lippmichl (Parz. 306/3) im November 2024 wurden zahlreiche Gruben und Pfostengruben freigelegt. Da die spätmittelbronze- bis urnenfelderzeitliche Siedlung nachweislich zum Teil von einer kaiserzeitlichen Holzbausiedlung überprägt worden war, konnten die oftmals fundleeren Objekte nicht immer zweifelsfrei einer Epoche zugeordnet werden.Eindeutig in die Mittel- und/oder Spätbronzezeit datieren eine Webgrube, eine Gefäßdeponierung und mehrere Keramikkonzentrationen im Nordosten der Parzelle. Es konnten weder egehungshorizonte noch zusammenhängende Gebäudegrundrisse festgestellt werden. Der westliche Teil des Grundstückes ist rezent gestört. Aufgrund früherer Untersuchungen westlich des Grundstückes kann aber davon ausgegangen werden, dass sich die bronzezeitliche Siedlung ursprünglich darüber hinaus ausdehnte.
Bericht
Das Untersuchungsareal befindet sich auf einer Terrasse am nördlichen Rand des Laßnitztales. Im Zuge des Oberbodenabtrages wurden auf einer Fläche von ca. 650 m² 57 Objekte freigelegt, bei denen es sich vermutlich zum großen Teil um Pfostengruben von Gebäuden der spätmittelbronze- bis urnenfelderzeitlichen Siedlung „beim Lippmichl“ handelt. Die Siedlung ist seit Mitte der 2000er Jahre bekannt als im Vorfeld des Koralmbahnprojektes großflächige archäologische Untersuchungen notwendig wurden (Fuchs 2014a; Fuchs 2014b). Dabei wurdefestgestellt, dass die vorwiegend spätmittelbronze- bis frühbronzezeitlichen Strukturen zum Teil von Objekten eines ausgedehnten römerzeitlichen Siedlungsareals überprägt wurden (Oberhofer 2012).Im Rahmen einer 2012 durchgeführten Rettungsgrabung konnten auf der östlichen Nachbarparzelle sowohl bronze- als auch römerzeitliche Befunde nachgewiesen werden (Mandl 2013, 306; Szilasi und Fuchs 2013, 306).
Im Zuge des Oberbodenabtrages wurden folgende Schnitte angelegt: Ein Schnitt (S 1) an der östlichen sowie zwei Schnitte (S 3-4) an der westlichen Parzellengrenze und ein vierter (S 2) annähernd in der Grundstücksmitte. Sowohl im Süden als auch im Osten weist die Parzelle rezente Störungen auf. In den übrigen Bereichen dehnte sich unter dem Ackerboden (SE 1) ein gut 0,20 m mächtiges Kolluvium (SE 3) aus, darunter lag der sterile orange-braune tonige Lehm (SE 100), in den alle Gruben und Pfostengruben eingetieft waren. Im Norden von Schnitt 1 überlagerte eine Kulturschicht (SE 4) mit zahlreichen bronzezeitlichen Keramikfunden mehrere Strukturen, die eindeutig der Spätmittelbronze- und/oder Spätbronzezeit zuordenbar waren. Zwei Objekte sind diesbezüglich hervorzuheben. Zum einen das Objekt 30, das aufgrund der darin aufgefundenen Webstuhlgewichte als Webgrube anzusprechen ist, zum anderen die Grube (Obj. 26), in der mehrere Gefäße deponiert worden waren. In den übrigen Gruben und Pfostengruben der Schnitte 1-2 traten nur vereinzelt insignifikante Keramikfragmente auf, für die eine eindeutige zeitliche Einordnung nicht möglich ist. Die Anordnung der Pfostengruben ließ keine zusammenhängende Rekonstruktion von Gebäudegrundrissen zu, was wohl nur auf die kleinflächigen Sondierungsschnitte zurückzuführen ist.
Literatur
Fuchs 2014a: Gerald Fuchs (Red.), Schönberg. Grabungen 2006 – 2008. Teil 1: Einführung und Befunde. Mit Beiträgen von G. Christandl, G. Fuchs und H. Heymanns. Forschungen zur geschichtlichen Landeskunde der Steiermark, Band 64/1, Laaken – Graz 2014.
Fuchs 2014b: Gerald Fuchs (Red.), Schönberg. Grabungen 2006 – 2008. Teil 2: Bronzezeitliche Siedlung. Verfasser: H. Heymanns und M. Brandl. Forschungen zur geschichtlichen Landeskunde der Steiermark, Band 64/2, Laaken – Graz 2014.
Mandl 2013: Maria Mandl, Schönberg, OG Hengsberg, FÖ 51, 2013, 306.
Oberhofer 2012: Karl Oberhofer, Die römerzeitliche Holzbausiedlung von Schönberg (MG Hengsberg, VB Leibnitz). Ein neuer Siedlungstyp in der Kulturlandschaft des Laßnitztales, unpubl. Dissertation Leopold-Franzens-Universität Innsbruck 2012.
Szilaszi und Fuchs 2013: Attila Botond Szilasi und Gerald Fuchs, Schönberg, OG Hengsberg, FÖ 51, 2013, 306.
Seite geändert am: 27.08.2025