Grabungsbericht 2018

Christoph Gutjahr, Maria Mandl
ID: LBWD-66413-01; Bezirk: Leibnitz; Gemeinde: Wildon; KG: Kainach; Gst. Nr.: 304/2, 306, 308/1, 361; Flur: Herrschaftsäcker, MNr.: 66413.18.01; Durchführungszeitraum: 14.05.2018–29.08.2018
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Untersuchungen 2018
Im Rahmen des vom Kulturpark Hengist initiierten EU-LEADER-Projektes „ArchaeoWild“ (Projektträger Marktgemeinde Wildon) wurde im hallstattzeitlichen Hügelgräberfeld Kainach bei Wildon ein Grabhügel (Hügel 5) sowie dessen nähere Umgebung freigelegt und dokumentiert. Südlich des bekannten Großgrabhügels „Galgenkogel“ führte die ZAMG 2016 und 2017 eine archäologisch-geophysikalische Prospektion durch im Zuge derer die Überreste von 12 weiteren potentiellen Grabhügeln entdeckt wurden. Aufgrund ihrer Lage in einem seit langem intensiv landwirtschaftlich genutztem Gebiet sind diese stark in Mitleidenschaft gezogen. Daher wurde seitens des Kulturparks in Abstimmung mit dem Bundesdenkmalamt beschlossen, ausgewählte Grabhügel einer Feststellungsgrabung zu unterziehen, um den Erhaltungszustand auch in Hinblick auf denkmalpflegerische Maßnahmen abzuklären. Am besten dafür geeignet erschien der im Gelände mit freien Augen gerade noch erkennbare Hügel 5, bei dem sich im Prospektionsergebnis eine steinerne Grabkammer deutlich abzeichnete. Bereits im Vorfeld des Projektes begann 2017 die Untersuchung an einer als Kreisgraben interpretierten Struktur (Grabhügel 6). Dabei wurden zwei Keramikdeponierungen freigelegt, deren Zeitstellung aufgrund des Erhaltungszustandes erst nach deren Restaurierung feststellbar sein wird. Eine bei den geophysikalischen Messungen auf dem Grundstück 361 zum Vorschein gekommene Struktur wurde ebenfalls abgeklärt. Dabei stellte sich heraus, dass es sich nicht wie angenommen um eine archäologisch relevante Siedlungs- oder Grabgrube handelte, sondern um einplanierten neuzeitlichen Abfall.

 

Hügel 5 (Grab 231)
Sowohl die steinerne Grabkammer (Objekt 435, SE 1057) mit einer Seitenlänge von 6,30 x 5,80 m und der dazugehörige Entnahmegraben (Objekt 439) konnten nachgewiesen werden. Besonders der im Nordosten an die Grabkammer ansetzende Dromos (SE 1058) und die nördliche Steinlage waren durch die landwirtschaftliche Nutzung stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Von der einst sicherlich begehbaren/mannshohen Steinkammer waren nur noch wenige Steinlagen mit einer Höhe von 0,40 m vorhanden. Der Dromos wies eine Länge von gut 3,00 m auf, wobei die Beurteilung schwerfällt, ob es sich dabei um die Originalmaße handelt. Der Boden im Inneren der Grabkammer bestand aus einer Lage sorgfältig gelegter Flussgeschiebe (SE 1064) der Mur, darunter befanden sich auch wenige kleinere Kalkbruchsteine und ein Limonit.

Im Süden waren die Steine herausgerissen worden; auch hier ist die Ursache dafür vermutlich im Ackerbau zu suchen, wenn auch nicht ausgeschlossen werden kann, dass hier Spuren einer Beraubung vorliegen. An der Ost- und Westseite konnten größere Kalkbruchsteine als Auflager für Pfosten dokumentiert werden, die die Abdeckung der Grabkammer stützten. Die Innenmaße der vermutlich mit Holz ausgezimmerten eigentlichen Grabkammer betrugen 4,70 x 4,20 m. Der inzwischen zusedimentierte Kreisgraben wies eine Breite von 6,50 und eine Tiefe von 0,60 m auf. Zwei Anhäufungen (Objekt 436, SE 1056; Objekt 437, SE 1062) aus Flussgeschiebe und Kalkbruchsteinen entlang der südlichen Innenseite des Grabens dürfen wohl als die Reste einer Krepis interpretiert werden. Der Graben war vermutlich schon in der Römerzeit kaum mehr als solcher zu erkennen, die oberste Verfüllschicht (SE 1071) enthielt größtenteils römerzeitliches und kein jüngeres Fundmaterial. Vor der Errichtung des Grabmals musste das Gelände entsprechend vorbereitet werden: Auf die vorhandene Humusdecke (SE 1084) wurde Erdmaterial (SE 1065), das aus der unmittelbaren Umgebung stammte, aufgetragen und einplaniert; erst danach begann man mit dem Bau der Kammer. Die Keramikfragmente aus diesem sekundär abgelagerten Sediment datieren nach einer ersten flüchtigen Durchsicht wahrscheinlich in die Bronzezeit.

 

Funde
Der Erhaltungszustand der über die gesamte Grabkammer verteilten Keramikbeigaben war erwartungsgemäß schlecht, doch schon vor deren Restaurierung lassen sich darunter einige hochqualitative Stücke erkennen. Zu nennen sind u. a. Wandfragmente eines Gefäßes, das möglicherweise einst mit einer Zinnfolienauflage versehen war. Von den übrigen Beigaben sind ein kleiner bronzener Riemendurchzug mit rundem, scheibenförmigem Kopf und kleinem Buckel eines Pferdezaumzeuges und mehrere Glasperlen (einerseits opak-gelbe, „birnenförmige“ Perlen, andererseits schwach transluzid-grünliche Perlen mit Eisenösenstiften) einer Halskette hervorzuheben. Vor erfolgter Restaurierung nur schwer ansprechbar sind einige verbrannte Eisenblechfragmente mit kleinen Nieten bzw. mit Nietresten (Wagenkastenbeschläge?). Während in der Grabkammer selbst nur eine geringe Menge an kalzinierten Knochenfragmenten aufgefunden wurde, vermittelte der Dromos ein ganz anderes Bild. Die noch ausstehende anthropologische Untersuchung wird zeigen, ob es sich dabei um menschliche Überreste und/oder um Speiseopfer handelt. Leider blieben nur sehr wenige Funde erhalten, anhand derer man aber jedenfalls auf ein ursprünglich ausgesprochen reich ausgestattetes Grab (zumindest) eines Mannes und einer Frau rückschließen kann.

Analog zu dem nördlich gelegenen Galgenkogel erlauben die Beigaben vorerst auch für den Hügel 5 eine zeitliche Einordnung in (mindestens) die Stufe Ha C2. Eine Einplanierung des Hügels erfolgte vermutlich irgendwann in der Neuzeit als dieser der landwirtschaftlichen Nutzung im Weg stand. Der Kreisgraben war zu diesem Zeitpunkt mit Sicherheit bereits zusedimentiert, das römerzeitliche Fundmaterial stammte möglicherweise aus Nachbestattungen wie man sie auch von dem schon erwähnten Galgenkogel kennt.

 

Grabhügel 6
An dieser Stelle konnten die Ergebnisse der geophysikalischen Untersuchungen nach dem großflächig erfolgten Oberbodenabtrag nicht verifiziert werden. Zwar wurde eine Struktur freigelegt, bei der es sich um den Abschnitt eines Kreisgrabens (Objekt 442) handeln könnte, doch konnte die Archäologie keine Hinweise auf eine Grabkammer feststellen. Natürlich ist nicht auszuschließen, dass diese zur Gänze abgetragen und zerstört wurde. Zudem wurde eine wohl eher neuzeitliche Parzellengrenze (Objekt 433) im Georadar irrtümlich als Teil eines Entnahmegrabens interpretiert.

 

Seite geändert am: 25.03.2020