Grabungsberichte 2018 und 2020

Christoph Gutjahr, Maria Mandl
ID: LBWD-66413-01; Bezirk: Leibnitz; Gemeinde: Wildon; KG: Kainach; Flur: Herrschaftsäcker
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 Leader EU 2020x

 

Untersuchungen 2020
Maßnahmennummer: 66413.20.01; Grst. Nr.: 304/1, 305/1, 362; Durchführungszeitraum: 25.05.2020–20.07.2020

Südlich des bekannten Großgrabhügels „Galgenkogel“ in Kainach bei Wildon führte die ZAMG 2016 und 2017 eine archäologisch-geophysikalische Prospektion durch bei der die Überreste von 12 weiteren potentiellen Grabhügeln entdeckt wurden. Aufgrund ihrer Lage in einem seit langem intensiv landwirtschaftlich genutztem Gebiet sind diese stark in Mitleidenschaft gezogen. Daher wurde seitens des Kulturparks Hengist in Abstimmung mit dem Bundesdenkmalamt beschlossen, ausgewählte Grabhügel einer Feststellungsgrabung zu unterziehen, um den Erhaltungszustand auch in Hinblick auf denkmalpflegerische Maßnahmen abzuklären. In diesem Zusammenhang wurde etwa schon 2018 der Grabhügel 5 archäologisch untersucht und u. a. die Reste einer steinernen Grabkammer aufgedeckt.

In den Monaten von Mai bis Juli 2020 fanden im hallstattzeitlichen Hügelgräberfeld von Kainach wiederum archäologische Grabungen statt. Der Untersuchungsbereich erstreckte sich dabei über eine sanfte, annähernd mittig zwischen dem Galgenkogel (Hügel Nr. 1) und dem noch etwa zwei Meter hohen Hügel Nr. 3 gelegene Erhebung. Bei der oben angeführten geophysikalischen Untersuchung waren zwar keine Strukturen festgestellt worden, die für eine Interpretation als Grabhügel sprachen, Kriterien wie Lage, Höhenprofil sowie ALS-Daten ließen aber durchaus darauf schließen.

Nach einem großflächigen maschinellen Abhub der oberen, rezenten Schichten konnten nur Hinweise auf einen etwaig ehemals vorhandenen hallstattzeitlichen Grabhügel freigelegt werden. Ortsfremdes Gestein wie Kalkstein und Limonit lag teilweise konzentriert in der Grabungsfläche, dazwischen wenige, teils rot-schwarz bemalte Keramik- und nicht näher bestimmbare Bronzefragmente. Es ist aber auch nicht gänzlich auszuschließen, dass es sich dabei um dislozierte Fundstücke aus dem Galgenkogel oder dem südlich gelegenen Grabhügel Nr. 3 handelt. Neben intensiven Pflugtätigkeiten wären diesbezüglich Erdmaterialverlagerungen im Zuge der teilweisen Zerstörung des Galgenkogels durch den Hausbau sowie allenfalls durch die daraus resultierenden Ausgrabungen Marianne Grubingers in den 1920/30er Jahren in Erwägung zu ziehen.

Jedenfalls ist festzuhalten, dass diese beiden Hügel im Unterschied zu Hügel 5 keinen Entnahme- bzw. Kreisgraben besaßen. Allerdings wurde östlich der Erhebung eine von West nach Ost abfallende natürliche Senke festgestellt, die im heutigen Relief nicht mehr zu erkennen ist. Neuzeitliche Funde in den obersten horizontal abgelagerten Schichten lassen darauf schließen, dass spätesten zu diesem Zeitpunkt an dieser Stelle eine ebene Ackerfläche existierte. In der ältesten Verfüllung finden sich allerdings Kalksteine, die teilweise von feinem Flusssand überlagert werden. Sehr wahrscheinlich nutzten die Menschen der Hallstattzeit die von der Mur gestaltete Landschaft indem sie die Hügelgräber auf solche durch Ausschwemmung geschaffene Erhebungen setzten. Die Kalksteine stammen vermutlich aus der Zeit als die Grabkammern errichtet wurden. In der Folge versandete die Senke zusehends und verschwand schließlich vollständig als die Hügelaufschüttungen eingeebnet wurden.

Für die Auswertung der zirka 700 Jahre belegten Kainacher Begräbnisstätte haben sich durch die archäologischen Sondierungen 2020 jedenfalls weitere Aspekte ergeben. Es konnte zum einen festgestellt werden, dass zwischen den Grabhügeln keine älteren oder zeitgleichen Gräber liegen, zum anderen, dass die Grabhügel, wie auch schon bei der archäologischen Erforschung von Hügel 5 zu konstatieren, ihrerseits auch keine älteren Gräber überlagern. Wir können daher davon ausgehen, dass die (linear angeordnete) Errichtung der hallstattzeitlichen Großgrabhügel bewusst am östlichen Ende der ausgedehnten Kainacher Begräbnissstätte erfolgte. Der ältere Nekropolenbereich war offensichtlich bekannt und wurde respektiert.

Zu erwähnen ist noch eine südlich des Galgenkogels freigelegte, reichlich mit organischem Material durchsetzte schwarze Schicht. In dieser waren streifenförmige, parallel zueinander verlaufende Strukturen zu erkennen. Dabei handelt es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um römer- oder eher neuzeitliche Abdrücke von Wagenrädern.

 

 

Untersuchungen 2018
MNr.: 66413.18.01; Gst. Nr.: 304/2, 306, 308/1, 361; Durchführungszeitraum: 14.05.2018–29.08.2018

Im Rahmen des vom Kulturpark Hengist initiierten EU-LEADER-Projektes „ArchaeoWild“ (Projektträger Marktgemeinde Wildon) wurde im hallstattzeitlichen Hügelgräberfeld Kainach bei Wildon ein Grabhügel (Hügel 5) sowie dessen nähere Umgebung freigelegt und dokumentiert. Südlich des bekannten Großgrabhügels „Galgenkogel“ führte die ZAMG 2016 und 2017 eine archäologisch-geophysikalische Prospektion durch im Zuge derer die Überreste von 12 weiteren potentiellen Grabhügeln entdeckt wurden. Aufgrund ihrer Lage in einem seit langem intensiv landwirtschaftlich genutztem Gebiet sind diese stark in Mitleidenschaft gezogen. Daher wurde seitens des Kulturparks in Abstimmung mit dem Bundesdenkmalamt beschlossen, ausgewählte Grabhügel einer Feststellungsgrabung zu unterziehen, um den Erhaltungszustand auch in Hinblick auf denkmalpflegerische Maßnahmen abzuklären. Am besten dafür geeignet erschien der im Gelände mit freien Augen gerade noch erkennbare Hügel 5, bei dem sich im Prospektionsergebnis eine steinerne Grabkammer deutlich abzeichnete. Bereits im Vorfeld des Projektes begann 2017 die Untersuchung an einer als Kreisgraben interpretierten Struktur (Grabhügel 6). Dabei wurden zwei Keramikdeponierungen freigelegt, deren Zeitstellung aufgrund des Erhaltungszustandes erst nach deren Restaurierung feststellbar sein wird. Eine bei den geophysikalischen Messungen auf dem Grundstück 361 zum Vorschein gekommene Struktur wurde ebenfalls abgeklärt. Dabei stellte sich heraus, dass es sich nicht wie angenommen um eine archäologisch relevante Siedlungs- oder Grabgrube handelte, sondern um einplanierten neuzeitlichen Abfall.

 

Hügel 5 (Grab 231)
Sowohl die steinerne Grabkammer (Objekt 435, SE 1057) mit einer Seitenlänge von 6,30 x 5,80 m und der dazugehörige Entnahmegraben (Objekt 439) konnten nachgewiesen werden. Besonders der im Nordosten an die Grabkammer ansetzende Dromos (SE 1058) und die nördliche Steinlage waren durch die landwirtschaftliche Nutzung stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Von der einst sicherlich begehbaren/mannshohen Steinkammer waren nur noch wenige Steinlagen mit einer Höhe von 0,40 m vorhanden. Der Dromos wies eine Länge von gut 3,00 m auf, wobei die Beurteilung schwerfällt, ob es sich dabei um die Originalmaße handelt. Der Boden im Inneren der Grabkammer bestand aus einer Lage sorgfältig gelegter Flussgeschiebe (SE 1064) der Mur, darunter befanden sich auch wenige kleinere Kalkbruchsteine und ein Limonit.

Im Süden waren die Steine herausgerissen worden; auch hier ist die Ursache dafür vermutlich im Ackerbau zu suchen, wenn auch nicht ausgeschlossen werden kann, dass hier Spuren einer Beraubung vorliegen. An der Ost- und Westseite konnten größere Kalkbruchsteine als Auflager für Pfosten dokumentiert werden, die die Abdeckung der Grabkammer stützten. Die Innenmaße der vermutlich mit Holz ausgezimmerten eigentlichen Grabkammer betrugen 4,70 x 4,20 m. Der inzwischen zusedimentierte Kreisgraben wies eine Breite von 6,50 und eine Tiefe von 0,60 m auf. Zwei Anhäufungen (Objekt 436, SE 1056; Objekt 437, SE 1062) aus Flussgeschiebe und Kalkbruchsteinen entlang der südlichen Innenseite des Grabens dürfen wohl als die Reste einer Krepis interpretiert werden. Der Graben war vermutlich schon in der Römerzeit kaum mehr als solcher zu erkennen, die oberste Verfüllschicht (SE 1071) enthielt größtenteils römerzeitliches und kein jüngeres Fundmaterial. Vor der Errichtung des Grabmals musste das Gelände entsprechend vorbereitet werden: Auf die vorhandene Humusdecke (SE 1084) wurde Erdmaterial (SE 1065), das aus der unmittelbaren Umgebung stammte, aufgetragen und einplaniert; erst danach begann man mit dem Bau der Kammer. Die Keramikfragmente aus diesem sekundär abgelagerten Sediment datieren nach einer ersten flüchtigen Durchsicht wahrscheinlich in die Bronzezeit.

 

Structure from motion (Hügel 5)

 

Funde
Der Erhaltungszustand der über die gesamte Grabkammer verteilten Keramikbeigaben war erwartungsgemäß schlecht, doch schon vor deren Restaurierung lassen sich darunter einige hochqualitative Stücke erkennen. Zu nennen sind u. a. Wandfragmente eines Gefäßes, das möglicherweise einst mit einer Zinnfolienauflage versehen war. Von den übrigen Beigaben sind ein kleiner bronzener Riemendurchzug mit rundem, scheibenförmigem Kopf und kleinem Buckel eines Pferdezaumzeuges und mehrere Glasperlen (einerseits opak-gelbe, „birnenförmige“ Perlen, andererseits schwach transluzid-grünliche Perlen mit Eisenösenstiften) einer Halskette hervorzuheben. Vor erfolgter Restaurierung nur schwer ansprechbar sind einige verbrannte Eisenblechfragmente mit kleinen Nieten bzw. mit Nietresten (Wagenkastenbeschläge?). Während in der Grabkammer selbst nur eine geringe Menge an kalzinierten Knochenfragmenten aufgefunden wurde, vermittelte der Dromos ein ganz anderes Bild. Die noch ausstehende anthropologische Untersuchung wird zeigen, ob es sich dabei um menschliche Überreste und/oder um Speiseopfer handelt. Leider blieben nur sehr wenige Funde erhalten, anhand derer man aber jedenfalls auf ein ursprünglich ausgesprochen reich ausgestattetes Grab (zumindest) eines Mannes und einer Frau rückschließen kann.

Analog zu dem nördlich gelegenen Galgenkogel erlauben die Beigaben vorerst auch für den Hügel 5 eine zeitliche Einordnung in (mindestens) die Stufe Ha C2. Eine Einplanierung des Hügels erfolgte vermutlich irgendwann in der Neuzeit als dieser der landwirtschaftlichen Nutzung im Weg stand. Der Kreisgraben war zu diesem Zeitpunkt mit Sicherheit bereits zusedimentiert, das römerzeitliche Fundmaterial stammte möglicherweise aus Nachbestattungen wie man sie auch von dem schon erwähnten Galgenkogel kennt.

 

Grabhügel 6
An dieser Stelle konnten die Ergebnisse der geophysikalischen Untersuchungen nach dem großflächig erfolgten Oberbodenabtrag nicht verifiziert werden. Zwar wurde eine Struktur freigelegt, bei der es sich um den Abschnitt eines Kreisgrabens (Objekt 442) handeln könnte, doch konnte die Archäologie keine Hinweise auf eine Grabkammer feststellen. Natürlich ist nicht auszuschließen, dass diese zur Gänze abgetragen und zerstört wurde. Zudem wurde eine wohl eher neuzeitliche Parzellengrenze (Objekt 433) im Georadar irrtümlich als Teil eines Entnahmegrabens interpretiert.

 

 

Seite geändert am: 12.01.2021