Römische Straße Premstätten 2025
Christoph Gutjahr und Maria Mandl
Bezirk: Graz-Umgebung; Gemeinde: Premstätten; KG: Unterpremstätten;
Maßnahmennummer: 63288.25.01; Maßnahmenbezeichnung: Schwarzl-Straße; Grst. Nr.:186, 187, 526; Durchführungszeitraum: 11.03.2025 bis 18.03.2025
Zustand/Status: geplante Verbauung, Industriegebiet, ergraben
Zeitstellung: Römerzeit, Kaiserzeit, Mittlere Kaiserzeit (?)
Befund: Infrastruktur, Straße
https://www.hengist-archaeologie.at/archaeologie/ausgrabungen/506-premstaetten-strasse#sigProIdb0d10aec5d
Zusammenfassung
Bei dem Oberbodenabtrag auf den Parzellen 186, 197 und 526 in der Gemeinde Premstätten konnten die Reste von Straßengräben (Obj. 1 und 2) einer Ost-West orientierten römischen Nebenstraße nachgewiesen werden. Diese führte im Osten direkt auf den römischen vicus von Kalsdorf zu. Vermutlich verband die Straße diesen mit einer bisher noch nicht nachgewiesenen villa rustica im Westen des Grazer Feldes.
Bericht
Auf der landwirtschaftlich genutzten Maßnahmenfläche (Parzellen 186, 187 und 526) in der KG Unterpremstätten (Gem. Premstätten) zeichnen sich im GIS-Luftbild zwei linear verlaufende parallele Strukturen ab, die vor dem Oberbodenabtrag als Straßengräben einer undatierten Straße interpretiert wurden. Die Ost-West verlaufenden Gräben setzen östlich der Ortschaft Oberpremstätten an und münden im Osten in ein der Pyhrnautobahn (A9) benachbartes Gewerbegebiet. Die Strukturen sind auf einer Länge von 1,1 km nachverfolgbar.
Im Vorfeld der Eingliederung der Grundstücke in den Gewerbepark wurde der Kulturpark Hengist im Frühjahr 2025 mit der Durchführung eines Oberbodenabtrages beauftragt. In den dafür mittels maschinellen Abhubes angelegten Schnitten (Schnitt 1 bis 4) konnten mehrere Ost-West verlaufende lineare Verfärbungen festgestellt werden, die in einem nördlichen (Obj. 1) und einem südlichen Graben (Obj. 2) zusammengefasst wurden. Von dem Straßenkörper selbst war nichts erhalten geblieben, die Gräben waren in den sterilen Schotter (SE 8) eingetieft worden und lagen in einem Abstand von 6 bis 6,5 m zueinander. Die Gräben waren mit dunkelbraunem, sandigem Lehm (SE 4, 6 und 13) und graubraunem Schluff (SE 12) verfüllt. Beim nördlichen Graben variierte die Breite zwischen 1,5 und 3,6 m, die max. erhaltene Tiefe betrug 0,46 m. Die Grenzen des südlichen Grabens verliefen zum Teil sehr diffus. Die Breite lag zwischen 1 m und 3,2 m und wies eine Tiefe von bis zu 0,40 m auf. Beide Gräben sind als mehrphasig einzustufen.
Die Wegtrasse deckt sich in ihrer Orientierung nicht mit den modernen Grundstücksgrenzen und scheint weder im Franziszeischen Kataster (1820–1841) noch in der Josephinischen Landesaufnahme von 1787 auf. Allerdings läuft sie in einer gedachten Verlängerung nach Osten in direkter Linie auf den römischen vicus von Kalsdorf (Lohner-Urban 2009, 1–649) zu. Die Fahrbahnbreite von ca. 6,5 m und die geradlinige Trassierung lassen auf eine römerzeitliche Nebenstraße schließen. Erst vor wenigen Jahren wurde bei archäologischen Voruntersuchungen im Zuge des Koralmbahnbaus ein Teilstück einer römischen Straße südlich von Kalsdorf freigelegt (Bellitti und Fuchs 2021, D9684-D9703). Vermutlich verband die nun nachgewiesene Nebenstraße von Premstätten eine am Westrand des Grazer Feldes gelegene – archäologisch bisher nicht nachgewiesene – villa rustica mit dem vicus von Kalsdorf.
Literatur
BELLITTI UND FUCHS 2021: FEDERICO BELLITTI UND GERALD FUCHS, Koralm, Feldkirchen-Weitendorf, V9 – Römische Staatsstraße. KG Werndorf, KG Wundschuh und KG Kasten. In: FÖ 60, 2021, D9684–D9703.
LOHNER-URBAN 2009: UTE LOHNER-URBAN, Untersuchungen im römerzeitlichen Vicus von Kalsdorf bei Graz. Die Ergebnisse der Ausgrabungen auf der Parzelle 421/1. Baubefund und Kleinfunde.
Veröffentlichungen des Instituts für Archäologie der Karl-Franzens-Universität Graz 9, Forschungen zur geschichtlichen Landeskunde der Steiermark 50, Wien 2009, 1–649.
Seite geändert am: 26.08.2025