Grabungsberichte 2014 und 2020

 

Untersuchungen 2014
Christoph Gutjahr
ID: GUME-63254-10; Bezirk: Graz-Umgebung; Gemeinde: Fernitz-Mellach; KG: Mellach; Gst. Nr.: 221/2; 393; 2014: 221/1; 221/2; 223; 226; Flur: Enzelsfeld, Hochfeld, Hoffeld;
Maßnahmennummer: 63254.14.01
siehe auch unter:

 


Untersuchungen 2020
Christoph Gutjahr, Maria Mandl
Maßnahmennummer: 63254.20.01; Gst. Nr.: 396; Durchführungszeitraum: 19.10.2020–19.12.2020

Der frühmittelalterliche Siedlungsplatz am Enzelsdorfer Hochfeld ist seit den 1980er Jahren durch Fundaufsammlungen sowie archäologische Ausgrabungen in den Jahren 1998 (Parz. 393) und 2014 belegt (Parz. 221/2, 226). Die Entdeckung des Fundplatzes ist Helmut Ecker-Eckhofen sen. (Mellach) zu verdanken. Bei einer neuerlichen Begehung des Hochfeldes im Winter 2020 fielen ihm auf der im Nordosten des Hochfeldes gelegenen Parzelle 396 wiederum zwei schwarze, stark mit Holzkohlefragmenten durchsetzte Verfärbungen größeren Umfangs auf.

Aufgrund der durch intensive landwirtschaftliche Tätigkeit fortschreitenden Zerstörung möglicher Befunde wurde seitens des Kulturparks Hengist eine Notgrabung angeregt und u. a. mit finanzieller Unterstützung des Bundesdenkmalamtes von Oktober bis Dezember 2020 durchgeführt.

Die Terrasse mit der Fundstelle wird im Norden von einem annähernd West-Ost verlaufenden, bewaldeten Bergrücken jäh begrenzt, im Süden dagegen fällt das Gelände sanft in Richtung der am Talboden gelegenen Ortschaft Enzelsdorf ab. Das gesamte Hochfeld bietet einen weiträumigen Blick über das Grazer Feld nach Südwesten und Westen.

Im Zuge der Ausgrabung wurden der Humus und die neuzeitlichen Deckschichten auf der 438 m² umfassenden Grabungsfläche (Fläche 6) maschinell abgetragen.

Im Westen überlagerten den frühmittelalterlichen Siedlungsbefund zwei Schichten, wobei sich die SE 56 nach dem Ende der Siedlung an Ort und Stelle gebildet hatte. Dagegen dürfte es sich bei der SE 67 um ein Kolluvium handeln, das auch römerzeitliches Fundmaterial enthielt. Eine großflächige schwarze Verfärbung mit frühmittelalterlicher und wenig römerzeitlicher Keramik (Objekt 12, SE 57 und 58) wurde auch im Osten des Grabungsareals dokumentiert. Diese Verfärbung mit einer Fläche von gut 75 m² setzt sich östlich der Grabungsgrenze weiter fort, konnte aber aus zeitlichen Gründen innerhalb dieser Grabungskampagne nicht weiter untersucht werden. Man wird hier jedoch von denselben Ablagerungsprozessen wie im archäologisch untersuchten Westteil ausgehen dürfen.

Knapp westlich davon befand sich ein grabenartiges Objekt (Objekt 13, SE 59/60 IF) mit äußerst diffusen Grenzen und ausschließlich römerzeitlichen Funden. Dieses vermutlich natürliche Gerinne könnte sich während eines Unwetters gebildet und später wieder verfüllt haben.

Auch in einer linear und parallel zur Terrassenkante verlaufenden Verfärbung (Objekt 15, SE 63 = 65, 66/122 IF) dürfte ein nicht artifizielles Objekt vorliegen. Die in sich sehr homogenen Schichten enthielten stark verrollte hallstattzeitliche Keramikfragmente.

Auch bei den vorangegangen Grabungskampagnen wurden sowohl römer- als auch hallstattzeitliche Funde getätigt, doch fehlen hier wie dort Befunde aus diesen Epochen.

 

Objekt 10
Bei dem Objekt 10 handelt es sich um eine im Grundriss ovale, annähernd Ost-West orientierte Grube (4,80 x 2,50 m), die sich in zwei Bereiche gliedern lässt. Den Übergang definiert dabei im Grundriss eine geringfügige Einschnürung. Der kleinere westliche Abschnitt liegt dabei leicht aus der Achse nach Norden versetzt. Im Westen war die Sohle flach und die Grube ca. 0,40 m tief, der Bereich im Osten hatte dagegen eine konkave Sohle bei einer von der Oberkante gemessenen Tiefe von 0,60 m.

Die jüngste Verfüllung (SE 54) aus einem sehr dunkelgrau-braunen sandigen Schluff mit einigen Keramikfragmenten und gebrochenen Flussgeschieben hat sich ähnlich wie die oben erwähnte SE 56 erst lange nach dem Siedlungsende abgelagert.

Die älteren Verfüllungen SE 72, 73 und 104 aus dunkelgrauem Schluff enthielten eine sehr große Menge an Keramikfragmenten, gebrochenen Flussgeschieben, wenigen Sand- und Kalksteinen sowie einige Tierknochen. Charakteristisch für diese Schichten waren die großen Mengen an Holzkohle, wobei die durchschnittliche Größe der Holzkohlestücke drei Zentimeter betrug. Außerdem wiesen alle Steine eindeutige Zeichen von Hitzeeinwirkung auf. Die drei Verfüllungen waren nur aufgrund ihres unterschiedlichen Holzkohlegehalts voneinander zu unterscheiden.

Im Südosten befand sich auf der Sohle eine an den Grubenrand gerückte, im Grundriss ovale Eintiefung (1,5 x 1,0 x 0,25 m), die eine steil schräge Wandung und eine konkave Sohle besaß.

Die oberste Verfüllung (SE 102) setzte sich vor allem aus dicht gelagerten gebrochenen Flussgeschieben und Keramikfragmenten zusammen, dazu kamen einige Tierknochen und wenige Sand- und Kalksteine. Auf und zwischen den unter Hitzeeinwirkung gestandenen Steinen konnte neben Holzkohle vor allem Asche nachgewiesen werden.

Unter der Steinkonzentration fanden sich größere Holzkohlestücke (bis zu 10 cm) und einige Keramikfragmente in einer dunkelbraunen schluffigen Matrix (SE 109).

Die ursprüngliche Funktion der Grube ist vorerst nicht geklärt. Ein Grubenhaus im Sinne einer Wohnstatt kann schon allein aufgrund des Fehlens eines Ofens ausgeschlossen werden. Für Überlegungen hinsichtlich einer Wärmequelle bietet sich allenfalls die Steinkonzentration SE 102 an. Einer gesicherten Interpretation als Feuerstellenrest steht jedoch entgegen, dass im Gegensatz zu den Steinen weder die Sohle noch die Wandung der kleinen Grube irgendeine Form von Hitzeeinwirkung aufwiesen. Ein Begehungshorizont konnte genau so wenig festgestellt werden wie irgendwelche baulichen Strukturen innerhalb wie außerhalb der Grube. Allenfalls je ein Pfostenloch an den Schmalseiten könnte man mit einer ehemals vorhandenen Dachsubstruktion in Verbindung bringen. Einzelne Pfostengruben im Norden und Osten des Objektes standen hingegen vermutlich nicht mit diesem in unmittelbarem Zusammenhang. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist am ehesten an eine Nutzung als Keller innerhalb eines obertägigen Hausbaues (Blockbau?) zu denken, doch ist auch ein eingetiefter Werkstättenbereich nicht auszuschließen.

Fest steht jedenfalls, dass die Grube nach dem Verlust ihrer ursprünglichen Funktion bewusst verfüllt wurde. Die teils noch recht großen Keramikfragmente sprechen für eine sekundäre Ablagerung.

 

Objekt 11
Westlich von Objekt 10 lag eine ziemlich exakt Nord-Süd orientierte ovale Grube (SE 75/76 IF) mit einer Länge von knapp 4 und einer Breite von max. 1,7 m. Auch hier teilte sich die Grube wieder in zwei Abschnitte und wies im südlichen Drittel eine geringfügige Einschnürung auf. Während der südliche Bereich nur acht Zentimeter tief war, betrug die Tiefe im Norden immerhin 0,23 m.

Der Großteil der Keramikfragmente trat im nördlichen Bereich auf, die gebrochenen Flussgeschiebe und auch das restliche Steinmaterial war Hitzeeinwirkung ausgesetzt.

 

Objekte 16, 18, 19, 21, 22, 25, 26, 27: Pfostenbau
Acht Pfostengruben im Westen der Grabungsfläche ergaben einen quadratischen Grundriss von 3,7 x 3,7 m. Ursprünglich bestand die Konstruktion aus 3 Reihen zu je drei Pfostengruben. Die drei nördlichen Gruben lagen im Bereich von Objekt 11, wobei eine der Pfostengruben das Interface der Grube störte. Diese drei wiesen zudem im Gegensatz zu den übrigen Pfostengruben Keilsteine aus Flussgeschiebe auf. Die Verfüllungen enthielten entweder kein oder nur sehr wenig Fundmaterial.

Unterdessen wurden drei Radiokarbonproben (Objekte 10 und 21) bei Beta-Analytic, Miami, in Auftrag gegeben. Vorbehaltlich einer Finanzierung sollen die archäologischen Ausgrabungen auf dem Enzelsdorfer Hochfeld in den nächsten Jahren weiter fortgesetzt werden.

 

 

Seite geändert am: 17.05.2021