Hügelgrab Bockberg

Christoph Gutjahr, Martina Trausner
ID: LBWI-66429-33; Bezirk: Leibnitz; Gemeinde: Wildon; KG: Unterhaus; Gst. Nr.: 332/5; Flur: Bockberg, Bockmoar; Maßnahmennummer: 66429.12.01. Siehe auch unter: Fundorte

 

Bereits vor mehreren Jahren wurde das Bundesdenkmalamt über eine ungewöhnliche Steinformation unterrichtet, die sich im Bereich einer (Wald-)Wegkreuzung unmittelbar bei der Buschenschank „Bockmoar“ (Gem. Wildon, Bockberg 1) auf einer Geländerippe befindet und in deren Umfeld überraschenderweise recht zahlreich, zeitlich insignifikante Keramikfragmente aufgelesen wurden. Nicht zuletzt wegen der exponierten Lage und der u. a. dadurch bedingten starken Erosion im Bereich der Fundstelle trat das Bundesdenkmalamt bereits 2009 an den Kulturpark Hengist mit der Bitte um eine Feststellungsgrabung heran, die schließlich 2012 realisiert werden konnte. Im Mai 2012 erfolgten eine archäologisch-topographische Vermessung der Geländesituation (Höhenschichtenplan) und die Erfassung der erosionsbedingt bereits frei liegenden Steinformation (DOF 1). Die archäologische Ausgrabung in der KG Unterhaus, Gem. Wildon, Gst. Nr. 332/5, MNr. 66429.12.01 wurde in Zusammenarbeit mit dem Arbeitsmarktservice Steiermark, dem Land Steiermark und der St:WUK (Steierische Wissenschafts-, Umwelt- und Kulturprojektträgergesellschaft) vom Verein Kulturpark Hengist in der Zeit von 16. Juli bis 21. August 2012 durchgeführt. Für das freundliche Entgegenkommen sei dem Grundbesitzer, Herrn Dr. Bernhard Frizberg (Hengist GmbH), herzlich gedankt.

Die Ost-West gelagerte, künstlich überprägte Geländerippe weist Steilabfälle im Norden und Süden sowie einen etwas flacheren Abfall im Westen auf. Die zunächst flache Ostseite steigt allmählich Richtung Osten gegen den Wildoner Buchkogel hin an. An der Südseite verläuft am Fuße der Geländerippe ein auf den Buchkogel (Steinmaisspitze) führender Hohlweg. Am Westende der dort leicht bombierten Geländerippe lagen zwei Nord-Süd orientierte und in einem Abstand von 3,00 m parallel verlaufende Steinreihen (Obj. 1) aus lokalen Kalk- und Sandsteinen frei, die eine artifizielle Setzung vermuten ließen. Vorwiegend erosionsbedingt lagen diese Steine frei, eine Humusschicht (SE 1) war dort nicht mehr vorhanden. Der etwas flachere Westabhang der Geländerippe wurde bei der Grabung als auf Auf- und Abstieg genutzt; hier kam einerseits schon der natürlich anstehende Kalkstein (SE 5) zum Vorschein, andererseits mehrere geologische Schichten (SE 7, 14, 22). Vermutlich befanden sich ursprünglich an der Nord- und Südseite der Geländerippe ebenfalls zwei lineare Steinsetzungen, worauf einige größere Steine auf der Südseite hinwiesen. Diese dürften aber bereits der Erosion zum Opfer gefallen sein. Es ist auch nicht auszuschließen, dass die etwa drei Meter breite Geländerippe ursprünglich   v. a. gegen Norden   um einiges breiter war. An der Südseite ist die Geländerippe durch den schon erwähnten Hohlweg beeinträchtigt, die Nordseite hingegen deutlich durch eine rezente Entnahmestelle für Kalkgrus (freundliche Mitteilung Fam. Jöbstl-Arbeiter und Skoff). Generell ist für diesen Bereich des Bockberges mit massiven Geländeveränderungen im Laufe der Zeit durch verschiedenste anthropogene Eingriffe (Buschenschank, Parkplatz, Bockbergweg etc.) zu rechnen.

Im Zuge der Grabungsarbeiten (Obj. 1) wurde mittig zwischen den beiden Gesteinslagen (SE 3) ein zirka 0,40 m breiter, Nord-Süd verlaufender Steg (Profil 2 und 3) belassen. Die stratigrafische Abtiefung der Schichten erfolgte anfangs alternierend zwischen der West- und Ostseite, da die Ostseite zunächst als Bewegungsfläche genutzt werden musste. Ab DOF 2 wurde aber der einheitlichen Fotodokumentation halber auf eine parallele Abtiefung beider Seiten umgestellt. Zwischen den beiden Steinlagen befand sich zunächst mittelbrauner schluffiger Sand (SE 2), der sich auf beiden Seiten bis knapp unter die Unterkante der Gesteinslage (SE 3, max. Größe der Steine 0,80 m) ausbreitete und immer wieder mit kleinteiligen Kalksteinen durchzogen war. Auf die SE 2 folgte im Westteil unmittelbar mittel- bis dunkelbrauner schluffiger Sand (SE 17), im Ostteil dagegen eine Gesteinslage (SE 15, artifizielle Pflasterung oder Planierung?) aus größtenteils kleinteiligen Kalksteinen, die ihrerseits auf der SE 17 lag. Beide Schichten waren stark von Wurzelwuchs beeinträchtigt und enthielten verschiedenes Gesteinsmaterial (überwiegend Kalkstein), Keramikfragmente, zwei kalzinierte Tierknochen, menschlichen Leichenbrand, Holzkohle, verziegelten Lehm sowie Hornsteinfragmente. Unter die Steinlage im Westteil zog eine Schicht (SE 20 = SE 4), die durch etwas mehr Leichenbrand charakterisiert war, ansonsten aber der SE 17 stark ähnelte. Im gesamten Bereich von Objekt 1 lag ein zirka 0,20 bis 0,60 m mächtiges Schichtenpaket (SE 2 und SE 17) auf der an sich sterilen sandigen Lehmschicht (SE 26) und auf dem natürlichen Kalkstein (SE 21) auf. Der von der Oberkante der SE 26 stammende vereinzelte Leichenbrand sowie die zwei Hornsteinfragmente sind auf die Verschleppung bzw. Verlagerung durch Tiere sowie Wurzeln zurückzuführen. Nach Abnahme der Steinlage (SE 3) im Ostteil konnte festgestellt werden, dass diese, im Gegensatz zum Westteil, auf einer aus kleinteiligen, hauptsächlich aus Kalksteinen bestehenden Gesteinslage (SE 25) auflag. Zwischen den Steinen fanden sich einige Keramikfragmente. Diese halbkreisförmige Steinlage mit Öffnung nach Westen folgte unmittelbar auf sterile Schichten (SE 21, 26, 27). Noch vor der Abnahme der Steine (SE 3) im Osten wurde eine zirka 0,50 m breite Erweiterung gegen Osten angelegt, deren Breite sich nach den arbeitstechnischen Gegebenheiten richten musste. In diesem Streifen konnten Keramik, Knochen sowie diverses, teils auch bearbeitetes Gestein festgestellt werden. Östlich der SE 3 lag über der Gesteinslage (SE 25) gelbbrauner, schluffiger Sand (SE 12) in einer Stärke von teils nur zirka 0,02 m. Nach Abbau des Stegs wurde noch eine weitere zirka 1,10 m breite Osterweiterung angelegt, die allerdings keine weiteren Befunde erbrachte.

Im Zuge der Grabungsarbeiten an Objekt 1 wurde ferner eine beträchtliche Menge Erdmaterial vom Nordabhang (SE 19) gesiebt, was in erster Linie stark verrollte Keramikfragmente sowie generell relativ viel rezentes Material (z. B. Schilling-Münzen, Eisenteile, Glas etc.) erbrachte. Am Westabhang traten schon größtenteils sterile Schichten (SE 5, 7, 14, 22, 23, 24) zu Tage, die von der SE 19 mehr oder weniger stark überlagert wurden. Am Fuße des durch maschinelle Eingriffe in Mitleidenschaft gezogenen Westabhanges wurde zur Klärung der genauen Schichtenabfolge ein Nord-Süd orientiertes Profil 5 (5.1 5.3) angelegt. Das Fundmaterial aus der SE 19 am Westabhang umfasste ebenfalls rezente Gegenstände (Glas, Tontaubenfragmente, Plastik usw.) aber auch zahlreiche, meist stark verrollte prähistorische Keramikfragmente sowie zwei Hornsteinplatten.
Am gegen den Hohlweg hin sehr steilen Südabhang (SE 11) traten nur geologische Schichten auf, sodass auf eine archäologische Untersuchung verzichtet werden konnte.
Ein zirka drei Meter östlich von Objekt 1 angelegter Ost-West verlaufender Schnitt 1 (5,40 m x 0,90 m) diente der Abklärung allfälliger weiterer anthropogener Spuren, blieb aber befundlos. Unmittelbar auf die dünne Humusschicht (SE 1) folgte als eine natürliche Verwitterungsschicht gelblichbrauner lehmiger Sand (SE 9), der seinerseits auf geologischem Kalkstein (SE 10) und orangem Sandsteingrus (SE 18) auflag.
Nordöstlich von Objekt 1 wurde wegen der günstigen Geländesituation ein sieben Meter langes geologisches Profil 1 angelegt um in diesem Bereich korrespondierend zu Schnitt 1 die natürliche Abfolge der Schichten (SE 1, 6, 7, 8, 18) zu erfassen.
Objekt 2 (Profil 4, Dm. 0,30 m) wurde zunächst unter der Annahme einer potenziellen Pfostengrube als eigenständiges Objekt behandelt, erwies sich aber lediglich als vergangene Baumwurzel.

Für eine genaue Ansprache von Objekt 1 bedarf es noch einer detaillierten Analyse, insbesondere eine umfassende Durchsicht der gerade erst restaurierten und noch nicht zur Gänze gezeichneten Keramik muss noch erfolgen. U. a. müssen auch noch zahlreiche Passscherben auf ihre unterschiedliche Schichtenzugehörigkeit überprüft werden. Bei den Schichten SE 2, 4, 12, 17 und 20 handelte es sich um Planier- bzw. Ausgleichsschichten, die am zumindest heute westlichsten Ende einer Geländerippe auf dem anstehenden Leithakalkstein aufgebracht wurden. Ob diese exponierte Lage auch schon zum Errichtungszeitpunkt der Steinsetzung (SE 3) bestand, ist offen. Offenbar musste eine ebene Fläche für die Steinsetzung SE 3 geschaffen werden. Vorwiegend aus den Planierschichten stammen umfangreichere Reste von einigen Keramikgefäßen, die sich zumindest zeichnerisch rekonstruieren ließen. Die eher unscheinbare Keramik aus den Planierschichten ist zeitlich heterogen, das vorläufig einzige chronologisch genauer fassbare Gefäß ist jenes einer lasinjazeitlichen Knickwandschüssel mit am Rand angebrachter, abgeflachter Knubbe (SE 20). Die restliche Keramik aus den Planierschichten könnte der mittleren Kupfer- als auch mittleren Bronzezeit angehören (für eine Autopsie der Keramik danken wir Mag. Dr. Georg Tiefengraber, Graz). Für den Errichtungszeitpunkt der Steinsetzung SE 3 kann über das hauptsächlich keramische und steinerne Fundmaterial vorläufig keine exakte zeitliche Einordnung erbracht werden, es ist anzunehmen, dass auch die vollständige Auswertung der Keramikfunde lediglich einen groben terminus post quem erlauben wird.
Ausschließlich aus den Planier- bzw. Ausgleichsschichten (2, 4, 12, 17 und 20) rühren ferner die Leichenbrände von insgesamt drei Personen her. Der Leichenbrand eines juvenilen Individuums (Ind. I) fand sich verstreut in sechs verschiedenen Schichten. Offensichtlich wurden im Zuge der Materialentnahme für die Planierschichten auch prähistorische Gräber erfasst.
Die großen Steine könnten als Auflagesteine bzw. Fundamente für ein kleines Gebäude gedient haben, über dessen Aufbau und Funktion keine weiteren Angaben zu machen sind. Für einen allenfalls unter einem längst völlig aberodierten Erdhügel liegenden eisen- oder römerzeitlichen Grabbau liegen keine gesicherten Hinweise vor, dem keramischen Fundmaterial ist in dieser Hinsicht jedenfalls nichts zu entnehmen.

Sämtliches Aushubmaterial wurde vor Ort gesiebt, die gesamten Erdproben wurden durch MitarbeiterInnen des Vereins Kulturpark Hengist im August 2012 geschlämmt. Die Auswertung des Leichenbrandes im Oktober 2012 nahm Dr. Silvia Renhart (Hallersdorf) vor. Die Restaurierung der keramischen Fundstücke erfolgte von Dezember 2012 bis Ende Jänner 2013 durch das Restauratorenteam R. Fürhacker und Dipl. Rest. A.-K. Klatz, (Gutenberg an der Raabklamm). Die Auswertung der Steingeräte nahm Dr. Boštjan Odar (Laibach) vor. Radiocarbonanalysen der drei Leichenbrände sind in Auftrag gegeben (Beta Analytic Miami).
Die Funde verbleiben im Depot des Kulturparks Hengist, ausgewählte Fundstücke sollen in weiterer Folge im Hengist-Museum im Schloss Wildon, Hauptplatz 55, ausgestellt werden.

Bockberg-DOF1.pdf
Bockberg-Geländesituation.pdf
Bockberg-Topographischer Plan.pdf