Grabungsberichte 2019 und 2020

Christoph Gutjahr, Maria Mandl
ID: LBHB-66414-08; Bezirk: Leibnitz; Gemeinde: Hengsberg; KG: Komberg; Gst. Nr.: 300; Flur: Faltikögerl
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Untersuchungen 2020
MNr.: 66414.20.01; Durchführungszeitraum: 02.09.2020–30.10.2020

Wie schon in den vorangegangenen Kampagnen am Faltikögerl wurden die Untersuchungen in der späturnenfelderzeitlichen Siedlung an der Südostspitze des Plateaus fortgeführt (Grabungsfläche A). Der dafür angelegte Schnitt 11 erfasste im Osten den im heutigen Relief noch erkennbaren Ausläufer des künstlichen Erdwerkes (Hügel 1) und reichte im Westen in den Siedlungsbereich hinein. In Schnitt 4 wurde ein parallel zur Plateaukante verlaufender schmaler Graben weiter untersucht.

An der Nordostspitze des Faltikögerls befindet sich ein weiterer Hügel (Hügel 2) von deutlich geringerer Höhe (zirka 0,40 m) als Hügel 1. In der diesjährigen Kampagne wurde dieser erstmals untersucht, um gegebenenfalls Aufschluss über die Funktion der beiden Hügelaufschüttungen zu erhalten (Grabungsfläche B, Schnitt12).

Grabungsfläche A
Schnitt 4
Der bereits in der Grabungskampagne von 2017 zum ersten Mal dokumentierte Graben (Objekt 28, 743/744 IF) gibt weiter Rätsel auf. Der auf mehreren Metern freigelegte Befund verläuft mehr oder weniger parallel zur Plateaukante und wurde daher anfangs als Fundamentgraben für einen Palisadenzaun gedeutet. Doch ist er im Bereich der südöstlichen Plateauspitze sehr weit nach innen gerückt und würde daher keinerlei Schutzfunktion bieten. Eine weitere Überlegung war, dass es sich um eine temporäre Konstruktion im Zuge der Anschüttungen für den Hügel gehandelt hat. Doch sowohl letztere als auch die älteste bisher nachgewiesene Siedlungsphase scheinen beim gegenwärtigen Ausgrabungsstatus den Graben zu überlagern.

Schnitt 11
Die jüngsten Schichten (SE 525 und SE 526) unter dem Waldboden enthielten wie nicht anders zu erwarten neben einigen späturnenfelderzeitlichen Keramikfragmenten auch solche aus dem Spätmittelalter bzw. der frühen Neuzeit. Darunter folgte die Schicht SE 708, die optisch von den überlagernden, jüngeren Schichten nicht zu unterscheiden war, wohl aber was ihren Schichtinhalt anbelangte. Neben einer in Bezug auf das Flächenausmaß des Schnittes ungewöhnlich großen Menge an späturnenfelderzeitlicher Keramik enthielt die Schicht SE 708 auch eine große Anzahl an Hüttenlehmbrocken. Bei einer Ansammlung von Flussgeschieben im Westen der Grabungsfläche handelt es sich um Schichtinhalt. Für eine allfällige Interpretation als Rollierung oder Pflasterung lagen die Rollsteine zu wenig konzentriert. In diese fundreiche Schicht war eine Pfostengrube (Objekt 31, SE 755/756 IF) eingetieft, was für das Faltikögerl einen bisher singulären Befund darstellt. Zusätzlich enthielt die Pfostengrube eine fast vollständig erhaltene Bronzesichel (FNr. 1787). Auch das ein Novum, wurde doch in den vorangegangenen Ausgrabungskampagnen kein einziger Metallfund aus der Spätbronzezeit getätigt. Zwar befindet sich diese nicht wie bei einer bewussten Deponierung üblich an der Sohle der Pfostengrube, aber eine zufällige Ablagerung zusammen mit dem Brandschutt scheint wenig plausibel.

Abgesehen von der Pfostengrube konnte innerhalb der Grabungsfläche kein weiterer Baubefund oder ein dazugehörender Begehungshorizont festgestellt werden.

Grabungsfläche B
Schnitt 12
Bei der kleinen Erhebung an der Nordostspitze (Hügel 2) war eine ähnliche Schichtabfolge wie bei Hügel 1 zu erkennen. Unter dem Humus lag wiederum eine Schicht (SE 748) mit wenig späturnenfelderzeitlichem sowie spätmittelalterlichem bzw. frühneuzeitlichem Fundmaterial.Die darunter liegende schluffige Schicht (SE 749), bei der es sich eindeutig um eine Anschüttung handelte, zeichnete sich durch einen hohen Anteil an Tonschiefergrus aus. Vereinzelt kamen auch Flussgeschiebe und Basalt vor, die beide im Gegensatz zu dem anstehenden Tonschiefer ortsfremdes Gestein sind. Die zahlreichen Keramikfragmente lagen zum Teil sehr konzentriert, aber auch hier konnten keine zeitgleichen Befunde festgestellt werden. Es muss zumindest vorerst offenbleiben, ob sie einfach mit angeschüttet oder bewusst deponiert wurden. Unter der Schicht mit dem Tonschiefergrus zeichnet sich bereits eine Siedlungsphase in Form einer Rollierung aus kleineren Flussgeschieben ab. An der östlichen Plateaukante verläuft parallel zu dieser eine erst zum Teil freigelegte Steinpackung aus Bruchsteinen (SE 759), die vielleicht als Befestigung der Hügelaufschüttung zu deuten ist.

 

Untersuchungen 2019
MNr.: 66414.19.01; Durchführungszeitraum: 20.08.2019–07.11.2019

Ziel der sehr kleinflächigen, aber arbeitsaufwändigen Grabungskampagne von 2019 war es, die Beziehung zwischen den zum Teil massiven Anschüttungen (SE 597, 598, 600, 603, 605, 606, 619, 655, 669, 719, 732) und den einzelnen spätbronzezeitlichen Siedlungsphasen am Plateau des Faltikögerls abzuklären. In den vorangegangenen Kampagnen war bereits festgestellt worden, dass es sich bei der hügelartigen Aufschüttung am östlichen Sporn wohl um eine fortifikatorische Struktur und jedenfalls nicht um einen Grabhügel handelte. Bisher unbeachtet blieben die westlich davon anschließenden Schichten am südlichen Steilabfall der Kuppe, da sie irrtümlich für den anstehenden Boden gehalten wurden. Beim Tiefergehen auf gut 7 m² Grundfläche (Schnitt 4/Ost) zeigte sich im Profil eine Abfolge von unterschiedlichen Aufschüttungen, deren Ausrichtung im Wesentlichen dem ursprünglichen Gefälle des Kögerls folgt.

Bei der etwa 0,15 m mächtigen Schicht aus graubraunem Schluff (SE 733) dürfte es sich um das Ausgangsniveau der spätbronzezeitlichen Siedlung handeln. Dieses fällt im Untersuchungsbereich sanft von Nord nach Süd ab. Parallel zur Hangkante verlief ein durchschnittlich 0,35 m breiter Graben (Objekt 28, SE 743/744 IF) von Ost nach West. Ähnliche Objekte (Objekt 19, SE 699/700 IF und Objekt 25, SE 727/728 IF) wurde bereits 2017 im Schnitt 6 freigelegt, wobei es sich bei Objekt 25 sehr wahrscheinlich um die östliche Fortsetzung von dem Graben Objekt 28 handeln dürfte. Die Interpretationen dieser Strukturen reichen von einem Palisadenzaun bis zu einer nur kurzfristig genutzten Konstruktion im Zuge der Anschüttungen. Gegen den Palisadenzaun spricht die Entfernung von ca. 5 Metern zwischen ihm und der Geländekante am Ostsporn. Anzumerken ist, dass im Schnitt 4 die Südseite eines Hauses unmittelbar an den Graben anschließt und mit diesem fluchtet. Fest steht, dass die Gräben – welche Funktion auch immer sie inne hatten, als älteste Verfüllschicht jenes lehmige Material aufweisen, auf dem die erste Bauphase der Siedlung errichtet wurde.

Dieses Sediment wurde nicht wie ursprünglich angenommen, am Talboden in näherer Umgebung abgebaut und zur Befestigung des Untergrunds herangeschaffen, sondern stand am Faltikögerl an. Eine nicht geringe Menge an Steinartefakten (zumeist Knollen und Abschläge) unterschiedlicher Provenienz und wenige Keramikfragmente in diesen Lehmschichten weisen auf das Vorhandensein einer kupferzeitlichen Siedlungsstelle hin, wobei bisher kein Befund dieser Zeitstellung zugewiesen werden konnte. Allerdings wurde 2019 unter einer Rollierung eine Grube (SE 746/747 IF) angeschnitten, die auf jeden Fall älter sein muss als die erste spätbronzezeitliche Siedlungsphase. Weitere Untersuchungen dieses Befundes sind für die kommende Grabungskampagne geplant.

 

 

Seite geändert am: 17.05.2021