Grabungsbericht 2019

Christoph Gutjahr, Maria Mandl
ID: LBHB-66414-08; Bezirk: Leibnitz; Gemeinde: Hengsberg; KG: Komberg; Gst. Nr.: 300; Flur: Faltikögerl, MNr.: 66414.19.01; Durchführungszeitraum: 20.08.2019–07.11.2019
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Ziel der sehr kleinflächigen, aber arbeitsaufwändigen Grabungskampagne von 2019 war es, die Beziehung zwischen den zum Teil massiven Anschüttungen (SE 597, 598, 600, 603, 605, 606, 619, 655, 669, 719, 732) und den einzelnen spätbronzezeitlichen Siedlungsphasen am Plateau des Faltikögerls abzuklären. In den vorangegangenen Kampagnen war bereits festgestellt worden, dass es sich bei der hügelartigen Aufschüttung am östlichen Sporn wohl um eine fortifikatorische Struktur und jedenfalls nicht um einen Grabhügel handelte. Bisher unbeachtet blieben die westlich davon anschließenden Schichten am südlichen Steilabfall der Kuppe, da sie irrtümlich für den anstehenden Boden gehalten wurden. Beim Tiefergehen auf gut 7 m² Grundfläche (Schnitt 4/Ost) zeigte sich im Profil eine Abfolge von unterschiedlichen Aufschüttungen, deren Ausrichtung im Wesentlichen dem ursprünglichen Gefälle des Kögerls folgt.

Bei der etwa 0,15 m mächtigen Schicht aus graubraunem Schluff (SE 733) dürfte es sich um das Ausgangsniveau der spätbronzezeitlichen Siedlung handeln. Dieses fällt im Untersuchungsbereich sanft von Nord nach Süd ab. Parallel zur Hangkante verlief ein durchschnittlich 0,35 m breiter Graben (Objekt 28, SE 743/744 IF) von Ost nach West. Ähnliche Objekte (Objekt 19, SE 699/700 IF und Objekt 25, SE 727/728 IF) wurde bereits 2017 im Schnitt 6 freigelegt, wobei es sich bei Objekt 25 sehr wahrscheinlich um die östliche Fortsetzung von dem Graben Objekt 28 handeln dürfte. Die Interpretationen dieser Strukturen reichen von einem Palisadenzaun bis zu einer nur kurzfristig genutzten Konstruktion im Zuge der Anschüttungen. Gegen den Palisadenzaun spricht die Entfernung von ca. 5 Metern zwischen ihm und der Geländekante am Ostsporn. Anzumerken ist, dass im Schnitt 4 die Südseite eines Hauses unmittelbar an den Graben anschließt und mit diesem fluchtet. Fest steht, dass die Gräben – welche Funktion auch immer sie inne hatten, als älteste Verfüllschicht jenes lehmige Material aufweisen, auf dem die erste Bauphase der Siedlung errichtet wurde.

Dieses Sediment wurde nicht wie ursprünglich angenommen, am Talboden in näherer Umgebung abgebaut und zur Befestigung des Untergrunds herangeschaffen, sondern stand am Faltikögerl an. Eine nicht geringe Menge an Steinartefakten (zumeist Knollen und Abschläge) unterschiedlicher Provenienz und wenige Keramikfragmente in diesen Lehmschichten weisen auf das Vorhandensein einer kupferzeitlichen Siedlungsstelle hin, wobei bisher kein Befund dieser Zeitstellung zugewiesen werden konnte. Allerdings wurde 2019 unter einer Rollierung eine Grube (SE 746/747 IF) angeschnitten, die auf jeden Fall älter sein muss als die erste spätbronzezeitliche Siedlungsphase. Weitere Untersuchungen dieses Befundes sind für die kommende Grabungskampagne geplant.

 

 

Seite geändert am: 20.04.2020