ID: LBHB-66414-08

Erste archäologische Grabungen auf der Höhensiedlung „Faltikögerl“ in der Gemeinde Hengsberg Faltikögerl

Ein Vorbericht von Christoph Gutjahr und Herbert KernAm Südrand des Kainachtals erhebt sich das sogenannte Faltikögerl. Die kogelartige Kuppe ragt steil auf und bietet einen guten Blick nach Norden in das Grazer Feld. Es handelt sich bei dem Faltikögerl um ein archäologisches Denkmal, dessen genaue zeitliche und funktionelle Einordnung lange Zeit nicht bekannt war. Formale Kriterien sprachen dafür, dass es sich bei der abgeböschten, dreieckigen Verebnungsfläche mit einem Durchmesser von zirka 100 Metern ursprünglich um einen prähistorischen Siedlungsplatz gehandelt hat, der möglicherweise im Mittelalter eine nochmalige Nutzung erfuhr. Ein rund 1,5 Meter hoher Hügel im Osten des Plateaus, der von einem rund acht Meter breiten Abschnittsgraben vom Hinterland abgetrennt ist, wurde bislang mit einem Turmhügel in Verbindung gebracht. Der heutige Zugang an der Südseite wird wohl auch der ursprüngliche gewesen sein. An der Westseite befindet sich auf halber Hanghöhe eine Geländestufe. In den schriftlichen Urkunden wird kein Wehrbau genannt, der mit dem Faltikögerl in Verbindung zu bringen wäre. Der Name wird wohl von einem Bauernhof namens vulgo Falti herrühren, wie es einen solchen heute noch in der nahen Ortschaft Kühberg gibt.
Um dem Geheimnis des Faltikögerls auf die Spur zu kommen, führte der Kulturpark Hengist im September und Oktober 2007 im Rahmen eines AMS-Projektes für Langzeitbeschäftigungslose im Bezirk Leibnitz eine Feststellungsgrabung durch. Neben dem AMS und dem Land Steiermark gilt unser Dank für die finanzielle Unterstützung insbesondere der Gemeinde Hengsberg (Bgm. Hans Mayer). Grundbesitzer Karl Lechner sei für die Grabungserlaubnis ebenfalls unser Dank ausgesprochen.
Insgesamt wurden zwei Grabungsschnitte begonnen, zum einen ein Schnitt am Hügel (S1), zum anderen ein Schnitt (S3) rechtwinkelig zu S1 am Fuß des Hügels. Außerdem wurde die gesamte Fläche der Kuppe mit einem Metalldetektor sondiert. Im Schnitt S1 (2,40 m x 12 m) waren zwei Störungen zu beobachten, eine rezente und eine unbestimmten Alters. Letztere erwies sich als sehr großflächig, indem sie einen großen Teil der Hügelkuppe einnahm. Sie ist tiefer als 0,8 Meter, die Unterkante wurde 2007 noch nicht erreicht. Nach Abtragen des nur rund 5 cm starken Waldhumus trat eine 10 bis 15 cm mächtige Schicht aus gelbbraunem, stark sandigem Lehm zu Tage, der vorwiegend mittelalterliche (Ende 13./Anfang 14. Jahrhundert) und einige wenige prähistorische Keramikfragmente zu entnehmen waren.
    
Darunter lag wohl die originale Hügelaufschüttung aus stark sandigem Lehm mit reichlich Schieferbruch (Unterkante noch nicht erreicht), aus der vereinzelt prähistorische Keramikfragmente stammen. Im unteren Bereich der Hügelaufschüttung wurde der Teil einer mörtellosen Steinlage freigelegt, deren Ausdehnung und Funktion erst mit der für Mai/Juni 2008 geplanten Fortsetzung der Ausgrabung geklärt werden kann. Mit Sicherheit kann aber schon zum gegenwärtigen Zeitpunkt eine Deutung als ein den Hügel umgebender Steinkranz (Krepis) ausgeschlossen werden.     
GräberfeldIm Schnitt S3 (2,40 m x 14 m) ähnelte nach dem Entfernen des Waldhumus die darunter liegende Schicht jener aus S1, mit dem Unterschied, dass die Menge an prähistorischer Keramik jene an mittelalterlicher deutlich überwog. Darunter folgte eine prähistorische Siedlungsschicht mit reichlich verziegeltem Lehm (u. a. Hüttenlehm) und regelrechten Keramiknestern, die hauptsächlich große Fragmente größerer Gefäße enthielten. Die Keramik aus der Siedlungsschicht kann – vorbehaltlich einer Endauswertung – an das Ende der Spätbronzezeit und an den Beginn der Frühhallstattzeit gestellt werden.
Neben den eigentlichen Grabungstätigkeiten wurde das gesamte Plateau, soweit es der Bewuchs zuließ, mit einem Metalldetektor untersucht. Schon bei früheren Begehungen des Faltikögerls fielen die zahlreichen Spuren illegaler Schürfungen von nicht autorisierten Gerätesuchgehern auf. Wie dringend das Problem in Wirklichkeit war, stellte sich bei den die Grabung vorbereitenden Arbeiten im Frühsommer und Sommer 2007 heraus, wo zweimal Teams von illegalen Gerätesuchgehern – zum Teil aus dem Ausland – überrascht werden konnten. Aus dem Winter 2006/2007 rühren zwei besonders starke Störungen im Bereich vormals noch intakter Befunde her. So war es auch keine Überraschung, dass trotz geeigneter Geräteeinstellung nur ein nichteisernes Fundstück entdeckt wurde. Glücklicherweise handelt sich dabei aber um einen Grazer Pfennig des römisch-deutschen Königs Albrecht I. aus dem Hause Habsburg (Münzdatierung 1286 bis 1308 n. Chr.). Von den übrigen Funden liegen fast ausschließlich solche mittelalterlicher Zeitstellung vor, soweit ihre Funktion vor einer Restaurierung bestimmbar ist, sind sie als Militaria anzusprechen: sechs Eisenmesser, fünf Pfeileisen, zwei Radsporenfragmente, die Spitze eines Dolches oder Schwertes und Zaumzeugteile. Alle Funde wurden eingemessen, sie streuen über den gesamten Bereich des Plateaus ohne erkennbare Konzentration und lassen sich zeitlich gut um die Wende des 13./14. Jahrhunderts einfügen. Aufgrund des militärischen Charakters der Metallfunde bieten sich für die mittelalterliche Nutzung des Platzes nur zwei Erklärungen an: entweder als eine Turmburganlage oder als ein kurzfristig, aber intensiv genutztes und eventuell leicht befestigtes Lager. Gegen den ersten Erklärungsversuch sind die geringen Ausmaße des Hügelplateaus für einen Turm oder ein festes Haus (max. 5,2 Meter Dm), das Fehlen eines Grabens um den Hügel, die Inexistenz einer mittelalterlichen Siedlungsschicht und nicht zuletzt auch die breite Streuung der militärischen Objekte auf der Verebnungsfläche ins Treffen zu führen. Außerdem ist nach der Stratigrafie die Hügelaufschüttung eindeutig in prähistorische Zeit zu setzen. Schon allein durch die topografische Situation begünstigt – dazu würde auch der offensichtlich jüngere Abschnittsgraben passen – wird man eher mit einem kurzzeitig (da alle datierbaren Mittelalterfunde aus einem relativ engen Zeitraum herrühren) benutzten militärischen Lagerplatz, der vermutlich leicht befestigt war, im Zuge einer militärischen Auseinandersetzung an der Wende vom 13. zum 14. Jahrhundert zu rechnen haben, allenfalls mit einer sekundären Verwendung des prähistorisch aufgeschütteten Hügels.LiteraturR. Flucher, Burgstall „Faltikögerl“ bei Guglitz. Eine unbekannte Fluchtburg aus dem frühen Mittelalter, Blätter für Heimatkunde 41, 1967, 54f.

B. Hebert und W. Murgg, Mittelalterliche (und frühneuzeitliche) Wehrbauten im Bezirk Leibnitz, Steiermark, Aufnahme der Bodendenkmale, BMÖ 13, 1997, 52; 72, Taf. 11

Faltikoegerl_Hoehenschichtplan_2010.pdf