ID: LBWI-66429-19 (Leibnitz.66429.19, FKat. 688-194/1); Bezirk: Leibnitz; Gemeinde: Wildon; KG:
Unterhaus; Gst. Nr.: 225/2; (.111); Flur: Alte Reichsstraße; BDA-ObjektID: 99910, §2a, automatisch geschützt, öffentlicher Grund; Fundverbleib: UMJ-InvNr.: 25285 u. a.; Zustand/Status: zu etwa 50 % zerstört, zum Teil ergraben.


Zeitstellung: Urnenfelderzeit, Hallstattzeit
Befund: Brandflachgräberfeld (Ha B/Ha C), Siedlung (Ha B), Streufunde

 


Forschungsgeschichte:

Unter Denkmalschutz.
1985 August: Notbergung.
1986: Fundstellenerhebung durch den Archäologen Dr. Gerald Fuchs.
1987 August–September: archäologische Grabung durch Dr. Diether Kramer, Joanneum.
2014: Fundstellenerhebung im Rahmen des Projektes InterArch-Steiermark, KPH.


Lage/Beschreibung:

Im Bereich der Hauptschule Wildon am Südostfuß des Schlossberges wurde ein urnenfelderzeitliches bis ältereisenzeitliches Brandflachgräberfeld (Ha B/Ha C) in Talrandlage entdeckt. Da das Gräberfeld im Baulandgebiet liegt dürften einige Teile durch Verbauungen, Planierungen und durch die Alte Reichsstraße gestört sein.

Das Gräberfeld wurde 1985 bei der Verlegung des Hauptstranges der Fernwärmeleitung entdeckt. Dabei wurden vier Brandgräber mit Steinsetzungen und Reste von vier weiteren Gräbern angeschnitten. Eine Notbergung erfolgte im August 1985. Auf dieser Fläche wurden auch noch urnenfelderzeitliche Siedlungsspuren (Ha B) und Streufunde der Hallstattzeit entdeckt.

Bei der archäologischen Grabung von August bis September 1987 wurde eine Fläche von rund 100 m2, und wie die dichte Belegung vermuten lässt, im Zentrum der Nekropole untersucht. Kramer (1989) vermutet, dass das Gräberfeld eine Ausdehnung von 1000 m2 hatte. Die 45 Brandgräber wiesen zum Teil sehr aufwendige und mannigfaltige Grabeinbauten, Stein(platten)kisten, Steinpackungen, verschiedene Arten von Steinsetzungen und über einigen Gräbern niedrige Steinhügel, auf. Trockenmauern haben wahrscheinlich einzelne Grabbezirke voneinander abgegrenzt. Neben den üblichen Keramikgefäßen und Tonurnen wurden auch Gefäße aus organischem Material beobachtet. Die Bronze- und Eisengegenstände, Armreifen, Fingerringe, Fibeln etc., waren außerordentlich schlecht erhalten. Die Glasperlen waren zum größten Teil verschmolzen. 1987 war dieses Gräberfeld das erste dieser Art in der Steiermark. Es war auch für die kulturelle und chronologische Beurteilung des Übergangs von der Urnenfelderkultur zur Hallstattkultur im Südostalpenraum wichtig.


Bibliographie:

BDA 2002: Stellungnahme des Bundesdenkmalamtes Graz vom 08.05.2002 (GZ.: 35.621/2/2002). Ausweisung im Flächenwidmungsplan.
DB 1986: UMJ-ARCH, Datenblätter BH Leibnitz S–Z, Wildon (G. Fuchs 1986).
Fuchs 1988a: G. Fuchs, KG Unterhaus, MG Wildon, VB Leibnitz, FÖ 26, 1987, Wien 1988, 253.
JJ 1988: JJ NF 17, 1988, 161–163 (Gefäß).
Karl/Modl/Porod 2009: S. Karl/D. Modl/B. Porod (Hrsg.), Katalog Archäologiemuseum Schloss Eggenberg, Schild von Steier 22/2009, 197 Nr. 1134.
Kramer 1985: D. Kramer, Versuchsgrabungen am Wildoner Schlossberg, in: Mitteilungen des Vereins der Freunde der Archäologie 3, Graz 1985, 37–44 (VWS, 40).
Kramer 1997: D. Kramer, Wissenschaftliche Arbeiten und Projekte der Bereiche Ur- und Frühgeschichte und Mittelalterarchäologie, JJ 1996 NF 26, Graz 1997, 223–260 (224).
Kramer 1989: D. Kramer, Aus der Ur- und Frühgeschichte von Wildon, MblKorrHistLKommStmk 2, Graz 1989, 10–36 (25, 32–33).
UMJ-ARCH, Ortsakt BH Leibnitz V–Wolfsberg, Nr. 50, Wildon-Wildon.
UMJ-ARCH, Literatur BH Leibnitz T–W, Wildon-Unterhaus.