ID: LBHB-66414-08 (Leibnitz.66414.1; FKat. 682-194/2); Bezirk: Leibnitz; Gemeinde: Hengsberg; KG: Komberg; Gst. Nr.: 300; Flur: Faltikögerl, Voltikögerl, (Faltyhof, Foltiwirt, Faltihof); Fundverbleib: KPH; Zustand/Status: ungestört, tlw. ergraben

 

Zeitstellung: prähistorisch; Urnenfelderzeit; Mittelalter
Befund: Höhensiedlung

Forschungsgeschichte
1967: Historisch-topographische Beschreibung durch Rudolf Flucher
1987 Juli 20: Begehung und Fotodokumentation durch den Archäologen Gerald Fuchs
1997: Historisch-topographische Beschreibung durch Bernhard Hebert und Werner Murgg
2007–2013 (außer 2011): Archäologische Ausgrabungen durch den Kulturpark Hengist (Christoph Gutjahr)
2010: Archäologisch-topographische Aufnahme durch den Kulturpark Hengist
2014: Fundstellenerhebung im Rahmen des Projektes InterArch-Steiermark, KPH
2016–2021: Archäologische Ausgrabungen durch den Kulturpark Hengist (Christoph Gutjahr)

 

Lage/Beschreibung
Am Südrand des Kainachtals, zwischen dem Kuketz im Osten und dem Steinbruchriegel im Westen, erhebt sich das sogenannte „Faltikögerl". Der bewaldete Geländesporn ragt steil auf und bietet einen guten Blick nach Norden in das Grazer Feld. Es handelt sich bei dem Faltikögerl um ein archäologisches Denkmal, dessen genaue zeitliche und funktionelle Einordnung lange Zeit nicht bekannt war. Formale Kriterien sprachen dafür, dass es sich bei der abgeböschten, dreieckigen Verebnungsfläche mit Längserstreckungen von zirka 100 Metern ursprünglich um einen prähistorischen Siedlungsplatz gehandelt hat, der möglicherweise im Mittelalter eine nochmalige Nutzung erfuhr. Ein rund 1,50 Meter hoher Hügel im Osten des Plateaus wurde bislang mit einem Turmhügel in Verbindung gebracht. Vom östlichen Hinterland ist das Faltikögerl durch einen mehrere Meter breiten Abschnittsgraben abgetrennt. Der heutige Zugang respektive Eingangsbereich an der Südseite wird wohl auch der ursprüngliche gewesen sein. Allerdings dürfte der Weg dorthin früher anders verlaufen sein als es die heutige Forststraße vorzugeben scheint. Höchstwahrscheinlich hat der alte Zugangsweg bereits im Nordwesten in den Aufweg auf das Faltikögerl eingebunden, um möglichst schnell dem entlang der Kainach versumpften Gelände zu entkommen, wo er eine künstliche oder künstlich überprägte Geländestufe auf der Westseite erreichte. Diese Geländestufe, auf halber Hanghöhe gelegen, steigt allmählich an und dürfte ehemals um das Faltikögerl herum zum eigentlichen Eingangsbereich auf der Südseite geführt haben. In den schriftlichen Urkunden wird kein Wehrbau genannt, der mit dem Faltikögerl in Verbindung zu bringen wäre. Der Name wird wohl von einem Bauernhof vulgo Falti herrühren, wie es einen solchen heute noch in der nahen Ortschaft Kühberg gibt. Anzumerken bleibt noch, dass einst der „Totenweg" von Wundschuh nach Hengsberg an der Nord- und Ostseite des Faltikögerlplateaus vorbeiführte.


Bereits 1967 beschreibt Rudolf Flucher (Flucher 1967, 54–55) das Faltikögerl. Aufgrund der Geländesituation spricht Flucher von einer Fluchtburg. Im frühen Mittelalter waren derartige Fluchtburgen – befestigte Rückzugsorte für die Bauern samt ihrem Vieh, das sie in Waldverstecken unterbrachten – zahlreich, wie Flucher anmerkt. Auf dem Erdhügel im Südosten des Plateaus vermutete er eine Turmburg. Von einer mittelalterlichen Anlage ist auch Gerald Fuchs 1987 überzeugt.
Bei Murgg findet man bereits die Vermutung, dass es sich ursprünglich um einen befestigten, prähistorischen Siedlungsplatz handelte, der dann später mittelalterlich überprägt wurde.
Neben der bereits oben beschriebenen Geländesituation vermerkt Murrg noch Unterhalb des Turmhügels und jenseits des Abschnittsgrabens ein dreieckiges, kleines Vorwerk.


In den Jahren 2007 bis 2021, ausgenommen 2011, 2014 und 2015, wurden laufend archäologische Grabungstätigkeiten auf der prähistorischen Höhensiedlung „Faltikögerl" durchgeführt.
Insgesamt sind bisher am Faltikögerlplateau dreizehn Grabungsschnitte (S1–S13) angelegt worden. In den bisherigen Grabungskampagnen gelang der Nachweis von prähistorischen Holzgebäuden, denen offene Herdstellen sowie weitere diverse Steinstrukturen zuzuordnen sind. Eine mittelalterliche Nutzung bezeugen Keramik-, Metallica- und Münzfunde. Allgemein ist festzuhalten, dass von der gesamten Grabungsfläche mittelalterliche Keramik nur aus unmittelbar unter dem Humus liegenden Schichten vorliegt. Der Befund von S6 belegt, dass die Hügelaufschüttung mit einer zeitlich jüngeren, vermutlich mittelalterlichen Nutzungsphase am Faltikögerl in Zusammenhang steht. Die Hügelaufschüttung überlagert eine ältere, prähistorische Besiedlungsphase bzw. ein urnenfelderzeitliches Gebäude. Das Aufschüttungsmaterial für den Hügel dürfte – vorbehaltlich noch ausständiger archäologischer und geologischer Sondierungen – aus jenem (Abschnitts?-)Graben stammen, der unmittelbar unterhalb des Hügels das Faltikögerl vom östlich angrenzenden Höhenrücken trennt.
Aus dem zur Gänze gesiebten Erdreich stammen neben den bereits erwähnten mittelalterlichen Funden hauptsächlich urnenfelderzeitliche Keramik, ferner auch Hornstein-, Reibplatten- und Feuerbockfragmente. Eine Aufarbeitung des Fundmaterials und der Befunde der bisherigen Grabungen ist in Bearbeitung.

Bibliographie
BDA 1989: Schreiben des Bundesdenkmalamtes Graz vom 16.06.1989 (Zl. 1291/89), Ausweisung im Flächenwidmungsplan.
DB 1987: UMJ-ARCH, Datenblätter BH Leibnitz A–R, Hengsberg (G. Fuchs 1987).
Flucher 1967: R. Flucher, Burgstall „Faltikögerl" bei Guglitz. Eine unbekannte Fluchtburg aus dem frühen Mittelalter, BlfHk 41/2, 1967, 52, 54 ff.
Flucher 1976: R. Flucher, Die Burgställe in der Steiermark, Mannus 3/1976, 152 ff.
Gutjahr/Kern 2008: Ch. Gutjahr/H. Kern, Das Geheimnis des „Faltikögerl", Hengistmagazin 1/2008, 12–13.
Gutjahr 2010: Ch. Gutjahr, KG Komberg, OG Hengsberg, PB Leibnitz (Fundchronik), FÖ 48, 2009, Wien 2010, 384 ff.
Gutjahr/Trausner 2011: Ch. Gutjahr/M. Trausner, KG Komberg, OG Hengsberg, PB Leibnitz (Fundchronik), FÖ 49, 2010, Wien 2011, 397.
Gutjahr/Trausner 2013: Ch. Gutjahr/M. Trausner, KG Komberg, OG Hengsberg, PB Leibnitz (Fundchronik), FÖ 51, 2012, Wien 2013, 303 f.
Gutjahr/Trausner 2014: Ch. Gutjahr/M. Trausner, KG Komberg, OG Hengsberg, Mnr.66414.13.01, Bronzezeit, Siedlung, FÖ 52, 2013, Wien 2014, 335 f.
Gutjahr u.a. 2018: Christoph Gutjahr, Stephan Karl, Gernot Obersteiner, Hengist best-of, Führer zu archäologischen Fundstellen und Baudenkmalen in der Region Hengist, Hengist-Magazin Sonderband 1, Wildon 2018, 50–53.
Gutjahr 2019: Ch. Gutjahr, Das Faltikögerl. Eine urnenfelderzeitliche Höhensiedlung mit mittelalterlicher Nachnutzung, Hengist Magazin 2/2019, 4–7.
Gutjahr/Mandl: Grabungsberichte 2016–2021
Hebert/Murgg 1997: B. Hebert/W. Murgg, Mittelalterliche (und frühneuzeitliche) Wehrbauten im Bezirk Leibnitz, Steiermark, Aufnahme der Bodendenkmale, BMÖ 13, 1997, 44, 52, 72 Taf. 11.
Infotafel: Hengist Wanderweg
Kramer 1992: D. Kramer, Bemerkungen zur Mittelalterarchäologie in der Steiermark, 1. Teil, Burgenarchäologie und Hengistburgfrage, ZHVS 83, 1992, 41–82 (74 Anm.163).
Murgg 2009: Werner Murgg, Burgruinen der Steiermark, FÖMat B 2, Wien 2009, 14.
Ofner 1982: P. Ofner, Hengistfeldon-Hengistiburg Hengsberg, Graz 1982, 29, 33, 34, 35.
Schachinger 2009: U. Schachinger, Die Grazer Pfennige vom „Faltikögerl", Hengistmagazin 1/2009, 10–12.
UMJ-ARCH, Ortsakt BH Leibnitz Hengsberg, Nr. 19, Hengsberg-Anfang.
UMJ-ARCH, Ortsakt BH Leibnitz Hengsberg, Nr. 19, Hengsberg-Komberg.
UMJ-ARCH, Ortsakt BH Leibnitz Hengsberg, Nr. 19, Hengsberg-Kühberg.
UMJ-ARCH, Ortsakt BH Leibnitz Hengsberg, Nr. 19, Hengsberg-Pläne.

Presse:
Traby 2012:
Jakob Traby, An der Wiege der Steiermark wird heuer wieder gegraben, Kronen Zeitung vom 23.06.2012.

 

Seite geändert am: 14.02.2022