ID: LBWI-66429-32 (Leibnitz.66429.26); Bezirk: Leibnitz; Gemeinde: Wildon; KG: Unterhaus; Gst. Nr.: 10/1; 10/2; 178; 183; 190; 191; Flur: Wildoner Schlossberg; BDA-ObjektID: 69451 Bescheid (10/1; 10/2; 183); Fundverbleib: KPH; Zustand/Status: ergraben, zerstört.


Zeitstellung: Hallstattzeit (Ha C), La Tène, (Spät-)Mittelalter
Befund: Grab (Gräberfeld?), Siedlung

 

Forschungsgeschichte:
Die Grundstücke 10/1; 10/2; 183 stehen unter Denkmalschutz.
2008 März 6.–21.: Baubeobachtung durch den Verein Kulturpark Hengist, Leitung: Mag. Christoph Gutjahr.
2014: Fundstellenerhebung im Rahmen des Projektes InterArch-Steiermark, KPH.


Lage/Beschreibung:
An der Südseite des Wildoner Schlossberges wurde 2008 im Auftrag des Grundeigentümers eine Forststraße angelegt. Die Forststraße beginnt bei der Einmündung zur Straße „Am Schloßberg", führt an der Südseite den Abhang entlang und endet an der Ostseite des Schlossberges. Die Trasse wird größtenteils im Wald geführt. Unter den Befunden waren ein hallstattzeitliches Grab, vermutlich der Rest eines weitgehend zerstörten Gräberfeldes, und spätmittelalterliche Siedlungsbefunde. Die intensive spätmittelalterliche Nutzung, die auch mit umfangreichen Terrassierungen einhergingen, hat ältere Originalschichten hier im untersuchten Bereich restlos zerstört.

Die Baggerarbeiten an der Forststraße wurden zwischen 6. und 21.03.2008 durch den Verein Kulturpark Hengist ständig archäologische begleitet. Bemerkenswerte Befunde traten lediglich auf dem Grundstück 10/2 zutage. Darunter befand sich ein alt zerstörtes, hallstattzeitliches Grab (Grab 1), ein spätmittelalterliches Pfostenhaus (Objekt 1), eine spätmittelalterliche Kalkbrenngrube (Objekt 2) sowie eine spätmittelalterliche Grube (Objekt 3). Das zerstörte, hallstattzeitliche Grab (Ha C) war vermutlich die Grablegung einer Frau und enthielt Holzkohle, Leichenbrand und die Fragmente von mindestens 3 Gefäßen, einer Einzugschale, eines graphitbemalten, kannelierten Kegelhalsgefäßes und eines weiteren größeren, ebenfalls verzierten Gefäßes sowie ein Fibelfragment. Das Pfostenhaus wurde im Böschungsprofil in Form einer Grube und zweier Pfostenlöcher festgestellt. Aufgrund einer darüber liegenden Schicht mit reichlich Holzkohle dürfte das Gebäude abgebrannt sein. Die Kalkbrenngrube, vermutlich die erste untersuchte mittelalterliche Kalkbrenngrube im steirischen bzw. kärntnerischen Raum, zeigte sich als rechteckige Struktur von 9,20 x 8,15 m und einer Orientierung von NNE–SSW. An der Sohle befand sich zur Hälfte eine ca. 4 cm starke und an der Böschung der Grube eine unten bis zu 10 cm und oben eine bis zu 20 cm dicke verziegelte Schicht. An der Sohle lag reichlich verkohltes Holz. Darauf folgte eine Schicht von weißem gebrannten Kalk und schlecht gebrannten Kalkbruchsteinen.In der darauffolgenden Schicht aus Kalkbruchsteinen waren spätmittelalterliche Keramikfragmente eingelagert. Eine weitere Grube (Obj. 3) diente eventuell als Kochstelle. Auf Parzelle 191 wurden eine Schicht aus weißem gebrannten Kalk und eine Schwemmschicht mit prähistorischer bzw. überwiegend latènezeitlicher Keramik entdeckt. Die archäologische Begleitung des Forststraßenbaus erbrachte neben dem Hinweis auf ein wahrscheinlich weitestgehend (?) zerstörtes hallstattzeitliches Gräberfeld den Nachweis einer intensiven spätmittelalterlichen Nutzung der Parzelle 10/2 im untersuchten Bereich.


Bibliographie:
Siehe auch unter: Ausgrabungen
Gutjahr/Kern 2008: Christoph Gutjahr, Herbert Kern, Arbeitsbericht Forststraße Wildoner Schlossberg, 2008.
Herbert/Mirsch 2009: B. Hebert/I. Mirsch, Tätigkeitsbericht 2008 der Bodendenkmalpflege, ZHVSt 100, Sonderdruck, 2009, 551–605.