ID: LBWI-66429-26 (Leibnitz.66429.20); Bezirk: Leibnitz; Gemeinde: Wildon; KG: Unterhaus; Gst. Nr.: 102/4; Fundverbleib: Archäologisches Museum Wildon (KPH-1500; 1501); Zustand/Status: ergraben.


Zeitstellung: Hallstatt: Ha C2/Ha D1; ca. zweite Hälfte des 7. Jhs. bis um 600 v. Chr.
Befund: Brandflachgrab

 

Forschungsgeschichte:
2003 August: Entdeckung durch Gerhard Leitinger.
2003 September 19: Besichtigung der Fundstelle.
2005 September und November: Nachgrabung durch den Verein Kulturpark Hengist, Leitung: Mag. Christoph Gutjahr.
2014: Fundstellenerhebung im Rahmen des Projektes InterArch-Steiermark, KPH.


Lage/Beschreibung:
Das Anwesen der Familie Leitinger bzw. die Fundstelle liegt an der Nordwestseite des Wildoner Buchkogels in leichter Hanglage. Ende August 2003 stieß Gerhard Leitinger bei der Anlage eines Kanals in unmittelbarer Nähe des Wohnhauses auf das hallstattzeitliche Brandschüttungsgrab mit Urne.

Das von Gerhard Leitinger sorgfältig en bloc geborgene Grab enthielt eine Tonurne, die mit einer umgestülpten Schüssel abgedeckt war sowie Leichenbrand. Im Verlauf der Restaurierung stellte sich heraus, dass der Rand der Urne ebenso wie der Henkel der Schale absichtlich entfernt worden waren, um ein Überstülpen der Schale auf den Topf überhaupt erst zu ermöglichen. Der Grabaufbau stellte sich wie folgt dar. Zuerst wurde die Urne, in der die größeren Leichenbrandfragmente gesammelt worden waren, in die Grabgrube dezentral eingebracht. Danach erfolgte die Verfüllung der Grabgrube mit einer Brandschüttung, bestehend aus einer schwarzen Lehmschicht mit Leichenbrand, Holzkohlestücken, verziegeltem Lehm und überwiegend kleinen Wandfragmenten der Urne. Darüber befand sich eine Schicht aus olivbraunem Lehm der vermischt war mit Leithakalkbruchsteinen, Holzkohle, vereinzelt Asche und Leichenbrand als auch mehreren Henkelfragmenten der Schale. Steinabdeckung war keine vorhanden. Die Auswertung des Leichenbrandes ergab die Grablegung eines Jugendlichen der zwischen dem 13. und 18. Lebensjahr verstarb.

Bei weiteren Kanalbauarbeiten Anfang September und Anfang November 2005 führte der Verein Kulturpark Hengist im Bereich des Wohnhauses und der Fundstelle eine begleitende archäologische Baubeobachtung durch. Dabei wurden die Reste der Grabgrube untersucht. Im Umfeld des Grabes wurden bei der archäologischen Baubeobachtung keine weiteren Bestattungen festgestellt, was auf die nur punktuell angelegten Kanalschnitte zurückzuführen sein mag. Das dieses Grab singulär auftritt, ist eher unwahrscheinlich. In den Kanalschnitten fanden sich immer wieder, zwar spärlich, Fragmente von Feinkeramik und kalzinierten Kochen, die von zerstörten Gräbern stammen könnten.


Funde:
KPH-1500: Urne; kleines Kegelhalsgefäß; erh. H. 21 cm; Dm. 23 cm; außen vertikale und horizontale Graphitstreifen.
KPH-1501: stark profilierte Henkelschale; RDm. 13 cm; B. ohne Kubben 16,5 cm; H. ohne Henkel 7 cm; am Schulter-Bauch-Umbruch rechtsläufige, aneinander gereihte Kanneluren; außen flächig graphitiert; innen ein aus Graphitstreifen gebildetes Kreuz mit eingeschriebenen Winkeln; am Scheitelpunkt des Henkels zwei gegenständige Hörnchen; Henkelbreite 2,7 cm.


Bibliographie:
Siehe auch unter: Ausgrabungen
Gutjahr 2006: C. Gutjahr, Ein Brandschüttungsgrab mit Urne aus Unterhaus, Die „Leitinger-Urne", Hengist-Magazin 3/2006, 8–11.
Gutjahr 2008: Chr. Gutjahr, Ein hallstattzeitliches Brandschüttungsgrab mit Urne aus Wildon, Steiermark, Arheološki vestnik 59, 2008, 227–244.