ID: LBWD-66413-01 (Leibnitz.66413.1; FKat. 686-194/1); Bezirk: Leibnitz; Gemeinde: Weitendorf; KG: Kainach bei Wildon; Gst. Nr.: 304/4; .68; 305/1; 304/1; 362; 235 Denkmalschutz; 236/2–236/8; Flur: Galgenkogel; Fundverbleib: 1927/28-UMJ-Inv. 14566, 14591–14610 18066–18067; 2014 KPH; BDA-ObjektID: 36318, Bescheid; Zustand/Status: teilweise erforscht.



Zeitstellung: Hallstattzeit (Ha C); Römerzeit (1./2. Jh.).
Befund: Hügelgräbergruppe.

 

Forschungsgeschichte:

1878 um: ergebnislose Sondage durch einen Privatmann (UMJ-Akt 22/1880).
1927/1928: Archäologische Grabung bzw. Untersuchung von Teilbereichen durch das Joanneum, Grabungsleitung: Dr. Marianne Grubinger.
1934 November: Archäologische Nachgrabung durch Dr. Marianne Grubinger (Galgenkogel).
1986+1987: Fundstellenerhebung durch den Archäologen Dr. Gerald Fuchs.
1988 ca.: Vermessung, Katasterplan (Galgenkogel).
1988 April 21: Unterschutzstellung.
1994: Luftbildaufnahme der Firma ARGIS im Auftrag des Bundesdenkmalamtes (GZ. 13.088/257–1.6/94).
1998: Bodeneingriffe (Kanalgrabungen).
2014 November 08: Baubeobachtung durch den Verein Kulturpark Hengist.
2014: Fundstellenerhebung im Rahmen des Projektes InterArch-Steiermark, KPH.


Lage/Beschreibung:

Die Hügelgräbergruppe liegt auf einer Schwemmlandfläche der Kainach und der Mur, in einem von zugeschütteten Altarmen der Kainach durchzogenen Bereich, ca. 300–400 m nördlich der Landesstraße L601/Schröttenstraße und westlich der Bundesstraße 67/Grazer Straße, der ehemaligen Reichsstraße nach Graz, im Grazer Feld. In dem heute landwirtschaftlich genutzten Gebiet sind noch 2 Grabhügel im Gelände gut sichtbar. Grubinger (1934) berichtet von 3 Rundhügeln links der Reichsstraße nach Graz, deren mittlerer der sogenannte Galgenkogel ist, siehe auch Josephinische Karte. Zwischen den beiden noch sichtbaren Hügeln scheint sich ein weiterer abzuzeichnen, ebenfalls von sehr großem Durchmesser, aber geringerer Höhe. Das würde bedeuten, ausgehend von den beiden heute noch sichtbaren Grabhügel, dass sich ein Tumulus nördlich des Galgenkogels (Parz. 236/1), 1 Tumulus zwischen den beiden sichtbaren Hügeln und mindesten 2 Tumuli (lt. Luftbild) auf den Parz. 360; 361 abzeichnen. In dieser Annahme würde ein Ensemble aus mind. 6 Grabhügeln in einer ungefähr N–S verlaufenden Reihe gebildet. Abgesehen davon ist nicht auszuschließen, dass sich in der näheren Umgebung noch weitere vergangene Hügelgräber als auch Flachgräber befinden. Auf einem Luftbild sind in Umfeld des Galgenkogels kreisrunde Verfärbungen sichtbar, sogenannte Entnahmegräben, die den Hinweis auf planierte Hügelgräber liefern (siehe dazu andere Fundstellen: 363/1, 365/3, 374/4). Hingewiesen sei auch noch auf das parallel zur L601 gelegene Gräberfeld Kainach, wo im Zuge der Grabungen mind. vier Grabhügelreste entdeckt wurden, die nicht auf dem Luftbild aufscheinen.

Aufgrund der Namensgebung „Galgenkogel" möchte man vermuten, dass einst ein Galgen auf dem Hügel stand, doch diese Annahme ist falsch. Eine Richtstätte befand sich an anderer Stelle in der Umgebung von Wildon. Beide 1927/28 ergrabenen Hügelgräber enthielten Steineinbauten und eine reiche Grabausstattung. Die Hügelgräber datieren ursprünglich in die Hallstattzeit (Ha C) und es konnten mind. 2 Nachbestattungen aus der Römerzeit festgestellt werden. Unter den Funden befanden sich neben der Brandbestattung, Tonurnen mit Bronzeappliken, bronzene Henkelschalen, Bronzedeckel, eine Kahnfibel sowie bemalte, graphitierte und verziert Keramikfragmente und Gefäße.

Am 08.11.2014 fand durch den Verein Kulturpark Hengist eine Baubeobachtung auf den Parzellen 236/2–8 statt. Da eine Meldung über den Baubeginn unterlassen wurde konnten nur noch die aufgerissenen Ackerflächen und die Abhubhäufen untersucht werden. Es wurde lediglich rezenter Müll und wenige neuzeitlich Keramikfragmente beobachtet. Anzumerken bleibt, dass die Baugruben nicht tiefer als die Pflugzone waren und somit allfällige Bestattungen durch die Bauten versiegelt wurden.


Galgenkogel-Hügel 1:

Auf dem größten Hügel einer Hügelgräbergruppe in Kainach bei Wildon wurde 1926/27 ein Wohnhaus errichtet und dabei stieß der damalige Grundeigentümer, Maurermeister Schauperl, auf die Steine des Grabgewölbes als auch auf Teile des Grabinventars. Die folgende Erforschung des heute noch sichtbaren Hügels (1927/1928) durch das Landesmuseum Joanneum, Leitung Dr. Marianne Grubinger ergab, dass bereits schon früher ein Schacht (E) in die Mitte des Hügels getrieben worden war, wobei die ältere Grabanlage geplündert worden war. Nach einem Schreiben (UMJ Akt 22/1880) des Bürgermeisters von Wildon an die k.k. Centralcommission zur Erforschung und Erhaltung der Kunst und historischen Denkmale wurde 1878 ein Schacht (E) bis 2,00 m unter Niveau in den Hügel getrieben. Die Sondage blieb ergebnislos, jedoch vermutete der Archäologe Graf Wurmbrand seitlich 3 Leichenbestattungen. Bei der Maßnahme 1927/28 konnten an der Südseite des Hügels, im Bereich der ältesten Bestattung (A), Reste des Opferfeures und Scherben von graphitierten Gefäßen ca. 1,00 m über der Sohle festgestellt werden. Unmittelbar westlich davon, ca. 3,00 m über der Sohle, lag ein Grabstätte (B) mit einer 0,35–0,50 m hohen Ascheschichte in der Fragmente von fein graphitierten Gefäßen gefunden wurden. Die Fragmente zeigen Verzierungen am Hals und an der Wölbung und einige Fragmente weisen eine Restbemalung auf. Etwas nördlich des Zentrums lag das bereits erwähnte, zerstörte Gewölbe (F), bestehend aus Leithakalksteinen und großen Geröllen. Die Asche lag 0,06–0,07 m hoch auf einem Pflaster aus Kieselsteinen. Die Grabbeigaben bestanden aus vier Henkelschalen aus Bronze, zwei Tonurnen deren Hals und Körper mit Bronzeblechen in durchbrochener Arbeit bedeckt und die mit Bleinieten an der Gefäßwand befestigt waren. Mäander, Dreieckornamente und Hirschfiguren wechseln einander ab. Beide Urnen waren mit getriebenen Bronzedeckeln bedeckt, die mit geometrischen Mustern und dreieckigen Klapperblechen verziert waren. Unter den Beigaben befanden sich eine Kahnfibel mit kurzem Nadelhalter, ein doppelkonischer Spinnwirtel und ein kleiner Doppelknopf (Spule?). Über der Grabkammer fanden sich im Erdreich ein eiserner Nagel und Gefäßfragmente teilweise mit Kammstrichzier und eine Dreifußschale. Im Jahre 1934 wurde von dem Hügel, mit einem Dm. von über 40 m, der Rest des Gipfels vom Besitzer abgetragen. Die darauf folgende Nachgrabung durch Dr. M. Grubinger im November 1934 ergab, dort wo die Brandschichte (C) offen zutage lag, im oberen Teil Scherben mit Kammstrich, unterhalb Hallstattscherben, schwarz oder schwarz mit roter Malerei und ein graphitiertes Schälchen mit hochgezogenem Henkel.
Aufgrund des aufgefunden Spinnwirtel in dem Gewölbe wird die Bestattung hier vermutlich die einer Frau sein (Grubinger 1932, 36). Es ist aber nicht auszuschließen, dass der Schacht, der Ende des 19. Jh. in das „Fürstengrab" getrieben wurde eine reiche Anzahl an Fundgegenständen barg und somit das nördlich gelegene Grabinventar als das einer Nebenbestattung anzusehen ist.
Der Galgenkogel barg mehrere Brandbestattungen, die einerseits in die Hallstattzeit (Ha C) datieren und andererseits Nachbestattung der Römerzeit aufweisen.

Im Zuge des Unterschutzstellungsverfahrens 1988 wurde der westliche und südliche Bereich des Galgenkogels vermessen. 1998 konnten bei Kanalgrabungen keine Befunde beobachtet werden.
Anzumerken bleibt noch, dass auf dem Gemeindewappen von Weitendorf eine der Hirschdarstellungen der Urnen abgebildet ist.


Hügel 2:

Als 1927/28 der Galgenkogel erforscht wurde, wurde auch dieser Hügel vom Landesmuseum Joanneum, Antikenkabinett, Grabungsleitung Dr. Marianne Grubinger, untersucht. Der Grabhügel befindet sich südlich vom Galgenkogel und dieser heute noch im Gelände erhaltene Hügel ist etwas kleiner als der Galgenkogel und er barg 2 Bestattungen übereinander. Eine Brandbestattung lag zentral ungefähr 0,35 m über der Sohle des Hügels und sie wurde von einem bereits eingebrochenen Gewölbe geschützt. Unter den Keramikfragmenten befanden sich Stücke einer glatten, schwarztonigen Urne und Fragmente verschiedener Beigefäße, wie etwa einer Schüssel. Oberhalb dieser Bestattung befand sich ein weiteres Brandgrab mit schwarzen Tonurnen mit Spiralmuster im Relief.


Bibliographie:

ALFS 1988: G. Fuchs, I. Kainz, Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung, Projekt P 5829, Archäologische Landesaufnahme und digitaler Fundkataster für Steiermark, Projektleiter E. Hudeczek, Jahresbericht 1988, Graz 1988.
Baner: J. Baner, Eiszeit und Urgeschichte 7, 1930.
BDA? 1962: Schreiben, 1962 (36/1962).
BDA 1988a: Bescheid des Bundesdenkmalamtes Wien vom 03.03.1988 (Zl. 7296/1/88). wg. Unterschutzstellung.
BDA 1988b: Bescheid des Bundesdenkmalamtes Wien vom 21.04.1988 (Zl. 7296/2/88). Unterschutzstellung.
BDA 1988c: Schreiben des Bundesdenkmalamtes Wien vom 16.05.1988 (Zl. 7296/3/88). Unterschutzstellung-Berufung (Parz. 235).
BDA 1993: Schreiben des Bundesdenkmalamtes Graz vom 18.10.1993 (GZ.: 1828/2/93).
BDA 1998: Schreiben des Bundesdenkmalamtes Graz vom 30.04.1998 (GZ.: 2701/1/1998).
DB 1986: UMJ-ARCH, Datenblätter BH Leibnitz S–Z, Weitendorf (G. Fuchs 1986, 1987).
FÖ 2005: KG Kainach bei Wildon, OG Weitendorf, VB Leibnitz, Leitung: Martina Roscher, FÖ 43, 2004, Wien 2005, 56.
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Grubinger 1932: M. Grubinger, Die Hügelgräber bei Wildon, BlfHk 10/3–4, Graz 1932, 33–36.
Grubinger 1934: M. Grubinger, Wildon, FÖ 1, 1920–1933, Wien 1930/34, 75.
Grubinger 1935: M. Grubinger, Die Hügelgräber bei Wildon, BlfHk 13, Graz 1935, 61 ff. – Zitat vermutlich falsch.
Grubinger 1938: M. Grubinger, Wildon, FÖ 2, 1934–1937, Wien 1935/38, 46.
Hebert 2005: B. Hebert, Gestaltete Landschaft. Zum Schutz obertägig sichtbarer archäologischer Denkmale, Hengist-Magazin 1/2005, 4–5.
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Kramer 1981: D. Kramer, Vom Neolithikum bis zur römischen Kaiserzeit, Untersuchungen zur ältesten Besiedlungsgeschichte der Steiermark, mit besonderer Berücksichtigung der mittelsteirischen Höhensiedlungen, 3 Bde., Salzburg 1981, [maschinschriftliche phil. Dissertation], 221–224 s. v. Wildon 327.13.
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UMJ-ARCH, Ortsakt BH Leibnitz V–Wolfsberg, Nr. 50, Weitendorf-Kainach-Hügelgräber.