ID: GUME-63254-10 (Graz-Umgebung.63254.10, FKat. 687-202/2); Bezirk: Graz-Umgebung; Gemeinde: Mellach; KG: Mellach; Gst. Nr.: 221/2; 393; 2014: 221/1; 221/2; 223; 226; Flur: Enzelsfeld, Hochfeld oder auch Hoffeld; Fundverbleib: Ing. H. Ecker-Eckhofen, Bundesdenkmalamt Graz, KPH; Zustand/Status: z. T. ergraben, Gelände wieder hergestellt.
Zeitstellung: Frühmittelalter (1983: 9. Jh.) (1998: 10. Jh./frühes 11. Jh.) (2014: 2. Hälfte 7. Jh., 640 bis 680 n. Chr.)
Befund: Oberflächenfunde, Gruben, Siedlung

Forschungsgeschichte:

1983: Entdeckung durch Ing. Helmut Ecker-Eckhofen.
1988 Juni 15: Begehung und Fundstellenerhebung durch den Archäologen Dr. Gerald Fuchs.
1998 November 14.–16.: Archäologische Grabung durch die Archäologen Mag. Christoph Gutjahr (Grabungsleitung), Mag. Georg Tiefengraber und Ing. Helmut Ecker-Eckhofen.
2014 März und September: Archäologische Grabung durch den Verein Kulturpark Hengist.
2014: Fundstellenerhebung im Rahmen des Projektes InterArch-Steiermark, KPH.


Lage und Geologie:

Die Ortschaft Enzelsdorf als Teil der Ortsgemeinde Mellach liegt etwa 20 km südlich von Graz am linken Ufer der Mur und am südöstlichen Rand des sich Nord–Süd erstreckenden Grazer Feldes.
Die Fundstelle (zirka 390 m ü. A.) selbst befindet sich auf einer weitläufigen Terrasse mit den Ausmaßen von zirka 500 m x 400 m, etwa 80 m über den Murauen beziehungsweise zirka 70 m oberhalb der Ortschaft Enzelsdorf. Die Flur wird heute gemeinhin als Hochfeld bezeichnet. Im Norden ist die Terrasse durch einen in etwa West–Ost verlaufenden bewaldeten Bergrücken, auf dem sich das Gehöft Bachhansl befindet, jäh begrenzt. Von Süden nach Norden steigt die Terrasse zunächst auf einer Länge von etwa 350 m graduell um knapp 30 Höhenmeter an, um schließlich im Bereich einer Paläorutschung auf etwa 150 m Länge nochmals deutlich Steigung aufzunehmen. Nach Süden fällt das Gelände sanft geneigt zum Jakobsbach beziehungsweise gegen Enzelsdorf hin ab, nach Westen ein wenig steiler als im Süden und mit etwas größerer Distanz bis hin zum rezenten Talboden der Mur. Im Osten begrenzt ein Nord–Süd verlaufender flacher Quellgraben die Terrasse. Nördlich dieses Quellgrabens entspringt auf der Parz. 395 ein Gewässer. Die topografische Situation der Terrasse gewährt einen weiträumigen Blick nach Südwesten bis zum Höhenrücken westlich der Kainach (Kuketz, Steinbruchriegel, Wildoner Buchkogel), vor allem aber über die Mur in Richtung Westen bis zur Koralpe.
Den Untergrund des Hochfeldes bilden klastische (Tone, Silte, Sande) Sedimente des Sarmatiums (12–10,5 Ma), die von einer pleistozänen bis holozänen Lehmdecke überlagert werden. Nahezu die gesamte Terrasse wird heute agrarwirtschaftlich für den Mais- und Ölkürbisanbau genutzt.


GUME-63254-10/1=63254.1983.2

Die Fundstelle in der Flur „Hochfeld" wurde 1983 von Helmut Ecker-Eckhofen entdeckt und liegt nur wenige Meter von der Grenze zu Fernitz entfernt. Gerald Fuchs konnte 1988 auf der Parzelle 393 an der Ackeroberfläche 3 Siedlungsstellen und eine Grube als Verfärbung feststellen. Auf der Parzelle 221/2 fand sich eine Verfärbung mit gebrochenen Geröllen und wenig Keramik u. a. mit Wellenbandverzierung.
Es handelt sich um frühmittelalterliche Oberflächenfunde des 9. Jahrhunderts.


GUME-63254-10/2=63254.1998.1

Die Grube wurde bereits 1983 durch Ing. Helmut Ecker-Eckhofen in Form einer oberflächlichen Verfärbung entdeckt. Die Erforschung der Grube auf der Parzelle 393 erfolgte in der Zeit vom 14.–16.11.1998 durch Christoph Gutjahr, Georg Tiefengraber und Helmut Ecker-Eckhofen. Die Form der Grube war annähernd rechteckig, mit den Ausmaßen von 1,90 m x 1,50 m und einer Tiefe von 0,15 m. In der Grubenverfüllung, einem dunklen bis schwarzen Sediment, fanden sich Holzkohlebrocken bis zu 0,07 m, kleinteiliger verziegelter Lehm, zum Teil bereits verwitterter Sandstein bis 0,10 m, ein nicht näher bestimmbarer Eisengegenstand, wenige Knochen und eine beträchtliche Menge an Keramik. Aus den überwiegend verzierten Keramikfragmenten konnten an die 20 Gefäße mit 5 verschiedenen Randformen erfasst werden. Die frühmittelalterliche Abfallgrube auf der Parzelle 393 erbrachte, abgesehen von Keramik des 10./frühen 11. Jahrhunderts, auch reichlich archäobotanisches Material (u. a. Roggen, Hart-/Saatweizen, Echte Rispenhirse, Hülsenfrüchte, Haselnuss, Pfirsich).


GUME-63254-10/3=63254.2014.1

Im Zuge von Grabungsvorbereitungen fand am 10. Jänner 2014 eine Begehung des Geländes statt, bei der auf der Parzelle 226 eine schwarze, stark mit Holzkohlepartikeln durchsetzte Verfärbung auffiel, die ferner ortsfremde Bruchsteine sowie einige wenige kleinteilige, teils mit Wellenband verzierte Keramikfragmente mit löchriger Oberfläche enthielt. Es lag nahe, die hier vorliegende Situation mit einer angepflügten frühmittelalterlichen Grube in Verbindung zu bringen. Mit finanzieller Unterstützung des Bundesdenkmalamtes führte der Verein Kulturpark Hengist schließlich von 17. bis 21. März 2014 auf dem Hochfeld eine Notgrabung durch die zwei Siedlungsobjekte erbrachte. Bei Objekt 1 handelte es sich um eine West–Ost orientierte rechteckige Grube mit gerundeten Ecken, die bei einer noch erhaltenen Tiefe von max. 0,33 m eine Länge von 3,65 m und eine Breite von 2,05 m besaß. Die Verfüllung aus schwarzgrauem sandigen Lehm war stark mit Holzkohle, Tierknochen, Keramikscherben, etwas verziegeltem Lehm, etwas Gestein (max. 0,20 m; teils erhitzt: Gneisfragment, Quarzit?, Kristallingerölle, Karbonatbrocken) sowie einigen wenigen Schlackenstücken durchsetzt. Bei dem unmittelbar südlich benachbarten Objekt 2 handelte es sich um eine Nordwest-Südost orientierte schmale länglich-rechteckige Grube mit gerundeten Ecken, die bei einer Länge von zirka 2,05 m und einer Breite zwischen 0,45 m und 0,70 m eine max. Tiefe von 0,36 m besaß. Nach Ausweis der keramischen Funde und des Radiokarbondatums datieren die Gruben in die zweite Hälfte des 7. Jahrhunderts (640 bis 680 n. Chr.).


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Von (27.08.2014) 03.09.2014 bis 13.10.2014 wurde die bereits seit 1983 bekannte Verfärbung auf der Parzelle 221/2 einer archäologischen Untersuchung durch den Verein Kulturpark Hengist unterzogen. Aufgrund der schlechten Witterungsbedingungen kam es immer wieder zu längeren Verzögerungen.
Derzeit liegen noch keine Ergebnisse vor. Nach der vorläufigen Durchsicht des Fundmaterials handelt es sich um Siedlungsreste des Frühmittelalters, ähnlich des auf der Parzelle 226 beobachteten Befundes. Weiters konnten auch Funde der Urnenfelderzeit bzw. Hallstattzeit sichergestellt werden.


Bibliographie:

BDA 1990: Schreiben des Bundesdenkmalamtes, Landeskonservatorat für Steiermark, vom 10.08.1990 (GZ: 194/13/90).
BDA 1998: Aktenvermerk des Bundesdenkmalamtes, Landeskonservatorat für Steiermark, vom 17.11.1998 (Zl.: 194/14/98).
DB 1988: UMJ-ARCH, Datenblätter BH Graz-Umgebung A–M, Mellach (G. Fuchs 15.06.1988).
Gutjahr 1999a: Chr. Gutjahr, Fundbericht, KG Mellach, OG Mellach, VB Graz-Umgebung, 1999 (Zl.: 194/1/99). Entspricht: FÖ 37, 1998, 841.
Gutjahr 1999b: Chr. Gutjahr, KG Mellach, OG Mellach, VB Graz-Umgebung, FO€37, 1998, Wien 1999, 841.
Gutjahr 2003: Chr. Gutjahr, Eine mittelalterliche Grube aus Enzelsdorf, OG Mellach, VB Graz-Umgebung, Steiermark, FÖ 42, 2003 (2004), 165–182.
Gutjahr 2014: Chr. Gutjahr, Zwei Gruben des 7. Jahrhunderts aus Enzelsdorf, OG Mellach, VB Graz-Umgebung, Steiermark (im Druck).
Mellach 1998: KG Mellach, OG Mellach, VB Graz-Umgebung, Leitung: Christoph Gutjahr, FÖ 37, 1998, 51.
Mirsch 2005: I. Mirsch, Die Geschichte der Gemeinde Fernitz, 2005, 91 ff.
Thanheiser/Walter 2003: U. Thanheiser, J. Walter, Pflanzliche Grossreste aus einer mittelalterlichen Grube von Enzelsdorf, OG Mellach, VB Graz-Umgebung, Steiermark, FÖ 42, 2003 (2004), 183–190.
UMJ-ARCH, Ortsakt BH Graz-Umgebung L–P, Nr. 15, Mellach-Mellach.